Glück

Glück glückt nur den Glücklichen

Auf der Suche nach Glück

Wer würde es nicht lernen wollen, wie es geht, das Glücklichsein? In der Schule wird man für vieles vorbereitet, auf das eigentliche Leben und den Umgang mit uns selbst leider nicht. Wir Deutschen sind nicht glücklich. Regelmäßig hängen uns in den Studien bei der Volksbefragung die Skandinavier und Niederländer ab. Weltweit rangieren Länder wie Burma oder Indien weit vor uns. Reichtum allein macht nicht glücklich, das stand schon lange fest. Burma leistet sich einen Glücksminister, weil nicht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sondern des Unwohlseins der Bewohner an erster Stelle steht. Glücksseminare stehen auch bei uns hoch im Kurs. Ich selbst habe einen mitgemacht, der war sogar gut, basierend auf NLP Techniken. Beispielsweise kann jeder sein Gehirn trainieren, sich Schönes vorzustellen und auch das Schöne in den Sinnen wiederzubeleben, die Vorstellung versetzt zwar nicht immer Berge, aber sie programmiert den Tag. Wenn mir etwas im Fernsehen oder Radio nicht gefällt, kann ich auch den Sender wechseln und habe dann meistens auch bessere Laune. Die Selbstbestimmung, die Autonomie, spielt in Zeiten zunehmender Fremdbestimmung eine große Rolle. Um Grundsätzliches über Glück zu erfahren, kannst du dir mein Video (Podcast) anhören.

Vielleicht hast du dich schon oft gefragt, weshalb du nicht glücklich bist oder festgestellt, dass du Einfluss auf dein Glücksbefinden hast und damit ist nicht die Tagesform gemeint oder ein spezielles Ereignis, das für deine Glücksgefühle verantwortlich ist. In der Soziologie gibt es eine eigene Glücksforschung. Sie basiert auf Erkenntnisse der Antike, dem Hedonismus. Das Wort stammt von hedone, Glück, Lust, was schon zeigt, dass eigenes Erleben und der subjektive Faktor eine Rolle spielen. Die meisten kennen Hedonismus als Synonym für Streben nach Glück durch Lustgewinn. Genau betrachtet ist es aber eine Lebensweise, die drei Dinge voraussetzt: Kenntnis deiner Selbst, Lernen von Strategien, wie du das erreichst, was dir Lust bereitet und eine Ethik, die verhindert, dass dabei andere zu Schaden kommen, wenn du deinen Glückstrip erlebst. Manchmal und kurzfristig hilft ja Musik, gutes Essen, ein Kuss etc. Aber wir reden hier von einer dauerhaften Befriedigung, die nicht von äußeren Zufälligkeiten abhängig ist, im Grunde nichts mit Konsum, Haben und Geschenken des Lebens zu tun hat, sondern mit innerer Bereitschaft, Haltung, Einstellung, Wahrnehmung. Glück ist Gelingen der Lebensführung, guter Stress, daher den guten Dämon, die Stimme in mir entdecken, die mich fördert.

Es geht beim Glück um Genuss, genauer um Genussfähigkeit und daher nur um dich in Verbindung mit dem, was du erlebst. Jede Empfindung kannst du dir auf der Zunge zergehen lassen.

Zunächst die drei für mich besten Zitate zum Glück, weitere kann man ja googeln, wie auch das Wort hedone und Epikurismus, benannt nach dem Griechen, der diese Philosophie des Glücks schrieb ohne, so viel sei verraten, eine Glücksformel aufzustellen. Das Glück ist wie Liebe eine sehr persönliche Sache und das Wichtigste daran ist, dass es kein anderer als du selbst erzeugen kannst. Viele glauben, der andere macht uns glücklich, etwa, wenn er uns liebt. Das wird auch so empfunden, stimmt aber nicht. Man kennt es vom Lob: wenn ich es nicht annehmen kann, bringt es mir nichts. Tief unten in der Seele muss ich bereit sein für dieses Lob, einen empfänglichen Resonanzboden besitzen und ganz viel Resilienz, das ist mir schon früh klar geworden. Resilienz kannst du auch googeln, es heißt, Krisenfestigkeit, und das halb volle Glas und nicht das halb leere sehen. Es geht nur mit innerer Beteiligung und wenn die nicht da ist, kann es auch kein langfristiges Gefühl von innerer Zufriedenheit und Zutrauen zur Welt geben. 

Meine Lieblingszitate zum Thema Glück

„Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße, die ihn bedecken.“ (Franz Kafka)

„Ich glaube, dass das Glück nur in der heiteren Auffassung des Lebens und in der Vortrefflichkeit des Herzens und nicht in den äußeren Umständen liegt.“ (Fjodor Dostojewski)

„Das Glück beruht oft nur auf dem Entschluss, glücklich zu sein.“  (Lawrence Durrell)

Glück ist keine Äußerlichkeit, welche dem Menschen aufgepfropft wird, sondern eine Innerlichkeit, die jedem Menschen innewohnt Ich habe viele Reden gehalten über Glück und könnte jetzt seitenweise über Philosophen sprechen, jeweils ein Zitat und den Hintergrund dazu liefern. Die Frage ist, macht uns dieses Wissen, diese Einsicht, die idealerweise mit dem Wissen verknüpft ist, glücklich? Nein. Es ist wie ein gutes Essen, das mir auch schmecken muss, denn der Anblick fördert zwar den Appetit, gewissermaßen die Neugierde, es zu probieren, mehr aber auch nicht. Das schönste Bild, das ich von Glück jemals gelesen habe, stammt von Nietzsche: Der langsame Pfeil der Schönheit; er vergleicht es auch mit der Morgenröte, weil Staunen und Neugier, das Kind in sich entdecken, Grundvoraussetzungen für das Durchbrechen der Routine und des Bewertens darstellen, mit dem ich jede kleine Blume zertreten kann. Damit schließt sich der Kreislauf, denn schon Epikur spricht immer vom kleinen Glück. Das große ist selten, hält nie lange vor und ist zudem zu mächtig, um es lange zu tragen. Wir haben Angst, es sei unverdient, könnte wieder verloren gehen, fangen an zu vergleichen und sind häufig schnell satt, enttäuscht und verbittert, wenn es nicht wieder kommt und sich unsere Furcht bewahrheitet. Das kleine Glück hingegen kommt auf kleinen leisen Schritten, ist ständig unser Begleiter und gleicht einer offenen Hand, deren Inhalt immer bei uns bleibt, weil er zu uns gehört.

„Das Glück und das Unglück sind zwei Geschwister und Zwillinge, die miteinander großwachsen oder, wie bei euch, miteinander – klein bleiben!“ (Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft). Ein altes Indianergleichnis lautet, Glück und Unglück sind wie zwei Wölfe, der eine weiß, der andere schwarz. Derjenige wird größer und  den Kampf in dir gewinnen, den du mehr fütterst.

Was mich an dem Thema so fasziniert, ist das es allein in unserer Hand liegt und nicht abhängt von den Umständen oder dem, was landläufig Glück im  Sinn von Zugefallenem, genannt wird. Begegnungen mit Menschen, die von innen strahlen, obschon sie wenig haben, nicht nur materiell, sondern entbehren, wovon ich meine, dass es glücklich macht: Liebe, intakte Familie, Intelligenz, Geschmack für Kunst, tiefe Gespräche, Gesundheit. Es muss folglich mehr als nur ein subjektiver Faktor sein, wenn jemand intuitiv eins mit sich ist und nichts verlangt, was ihn dieses Einssein fühlen lässt. Glück ist eine Erfahrung von Vertrauen und Freiheit, die keine Furcht zulässt und daher auch

keinen Neid, Scham oder Schuld, keine Gier. Es ist eine Tugend an sich, die man lernen kann, wenn wir es zulassen, nicht wie eine Formel oder eine Sprache, die funktioniert, wenn ich genügend trainiere, sondern, und das ist die Botschaft an mich selbst, wenn ich sie mir gestatte. Das Zulassen und Verinnerlichen ist etwas ganz anderes als das Wiedergeben von Gelernten, das Imitieren von Erfolg oder Reproduzieren von bereits erlebten Glücksmomenten, die ich sicherlich ankern und nacherleben kann.

Es geht beim Glück um Selbstannahme und Selbstliebe im positiven Sinn, nicht um Egoismus, etwas unbedingt haben zu wollen. Glück kann man nicht einfangen, erjagen, erkämpfen, erarbeiten. Aber man kann etwas dafür tun, Voraussetzungen schaffen, den Nährboden bereiten, die Saat dafür legen, indem ich mich stimmig mache und bereit bin für das Wunder des Lebens ohne es zu bewerten.  

Am Ende noch ein kleiner Blick auf Buddha. Viele stolpern über den Glaubenssatz Leben ist Leid. Viele Buddhisten, die diese Lehre verinnerlicht haben, lächeln und sind glücklich. Sie erwarten keine Erlösung von außen, sondern spüren das Göttliche in sich und vor allem, sie wissen das Erleiden von Leid umzulenken auf Erleben von Glück, weil beides zusammenhängt und nur unser ständiges Bewerten, Vorstellen und Urteilen im Grunde für das Leid verantwortlich ist.  Wenn man jemand überzeugen muss oder etwas beibringen will, kann es nicht funktionieren, weil es darum geht, Eins mit sich zu sein, zu werden und dieses Paradox von werde, der du bist in sich stimmig zu gestalten, denn Bleiben ist in allem Wandel und Verwandlung oder Veränderung bedeutet immer auch Erhalten von dem, was gerade ist. Du bist immer gleich wertvoll,  obschon du dich stündlich, ja sogar sekündlich änderst. In diesem Sinn gestatte dir, glücklich zu sein.

carpie diem

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