Gedanken Maske – Freiheit oder Corona

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Zugegeben ein wenig provokant. Lange habe ich mich geziert. Sowohl vor dem Bloggen als auch um einen Betrag zu Corona. Zum einen, weil es nicht so ganz leicht und sogar gefährlich ist, Philosophie auf aktuelle Ereignisse herunterzubrechen, zum anderen aber auch, weil sich jeder über dieses Thema äußert und das meiste kaum des Lesens oder Hörens wert ist. Aber wenn es stimmt, dass Philosophen nicht in Elfenbeintürmen leben und nicht nur etwas zu sagen oder meinen haben, sondern vielleicht sogar etwas aussagen können, dann muss ich mich dieser Herausforderung heute stellen. Wer schweigt, sagt billigend Ja. Wer untätig ist und die Entscheidung anderen überlässt, vertagt die Verantwortung und damit zugleich die Freiheit.

Punkt eins: Ich respektiere die Meinung anderer, doch in der reflektierten Wahrnehmung herrscht metaphysische Obdachlosigkeit a priori. Die Paradoxie scheint durch die Annahme einer Pandemie vorbestimmt, der Virus den Geist zu spalten. Fachleute wie Virologen widersprechen sich fortlaufend – Philosophen machen dies auch, argumentieren jedoch stringenter. Die Maßnahmen sind daher umstritten, instringent bis inkonsequent, lokal uneinheitlich und tragen zu einem Klima allgemeiner Hysterie, Arbeitseinschränkung, Testausweisung bis zur angedrohten Impfverpflichtung und, ich muss es leider ungeschminkt sagen, Verdummungspotenzierung, bei. Mehr Info in der Produktion bedeutet weder mehr Transparenz noch Qualität bei der Rezeption und eine quantitativ größerere Reichweite ermöglicht noch lange nicht das Vor- Ein- und Durchdringen in jene Sphären , die Neurowissenschaftler im Hypothalamus lokalisieren, der das vegetative Nervensystem steuert mit seinen Drüsen , die wiederum für die Ausschüttung von Hormonen verantwortlich sind.

Punkt zwei: Vor nicht allzu langer Zeit hat man die Seele noch in der Zirbeldrüse vermutet und ihr Gewicht auf 21 Gramm taxiert. Vor dem Tod soll, so die Untersuchung von Ärzten, die Seele schwerer gewogen haben als danach. Vielleicht forscht man heute bereits, ob sie durch Coronabefall leichter wird. Nein, ich bin kein Zyniker. Jonas schreibt in „Das Prinzip Verantwortung“: Wer den Tod abschaffen will, der muss auch das Leben abschaffen – metaphorisch im Keim ersticken. Argumente sollen abgewogen, auf den Prüfstand erhoben und stets neu gewichtet werden. Alles wird untersucht, auch Freiheit, die örtlich unbehaust, heimatlos will es scheinen, nirgendwo aufzufinden ist. Sie und die Seele in den Köpfen gleich den Ideen zu wiegen erscheint nicht abwegiger, als Freiheit durch einen Virus einzudämmen, zu beschneiden, zu kastrieren und zu entdemokratisieren. Platon, der die Seele mit der Idee verbindet, hielt nichts von Demokratie. Popper (ein durchaus sachlicher Analytiker) bezeichnet ihn daher als Begründer des Totalitarismus. Dass Platon nicht das System, sondern den Menschen mangelnde Reife unterstellte, verschweigt er .

Punkt drei: Wir wissen selbst in den Naturwissenschaften, die exakter sind als die unserer Branche des Geistes (Denker von Gewerbe), nicht genau, was passiert oder weshalb und schon gar nicht, wozu es gut ist. Stoffliche dinge lassen sich meist besser greifen und begreifen als Intelligibles. Die aristotelischen Maßnahmen greifen nicht, die intellektuale Anschauung versagt, wenn Einbildungskraft auf Fantasie und Horrorszenarien reduziert wird. Die Restriktion hat Erfolg, denn medizinische Versorgung greift in technokratischen wie -logischen Nationen besser als in Schwellenländern, wo alles, vor allem die Hygiene, naturgemäß langsamer vorankommt, infolge des Trägheitsgesetzes oder der ererbter Entropie, die selbst der dialektisch historische Materialismus weder abzuschaffen noch zu leugnen vermag. Nicht nur Energie wird, wie mathematisch bewiesen ist, erhalten und lediglich transformiert, auch Abhängigkeiten, Interpedenzen und, wenn man so möchte, schlechtes Karma. Der Wahnsinn schreitet regressiv fort, diese Menschen in früheren Entwicklungsländern (heute ist diese Terminologie mit political correctness unvereinbar, die Entwicklung ist schließlich fort, aber nicht fortgeschritten) werden durch Corona-Maßnahmen weiter demaskiert. Aufgrund der Hebelwirkung potenzieren sich dort bekannte Probleme wie Armut, Unterversorgung und Mortalitätsrate. Die Bevölkerung verjüngt und vermehrt sich dynamischer als ohnehin.

Punkt vier: Wenn selbst eine niederländische Gesundheitsministerin sagt, so lange unbewiesen ist, dass Masken überhaupt vor dem Virus schützen (deren Verbreitung eindämmen), werden sie kein Gesetz oder obligatorische Verordnung, sollte man zumindest in demokratisch gewählten Regierungen darüber nachdenken, ob nicht neben der Unschuldsvermutung auch die bereits dokumentierten und dem gesunden Menschenverstand bekannten Risiken gegen den Maskenterror und nicht nur für die der Gedankenlosigkeit angeklagten Menschen in einem Rechtssystem gelten sollten. Schließlich steht der Rechtsstaat auf dem Spiel, aus dem längst Ernst geworden ist, nicht unbedingt tödlich, aber todesbeschwörend und fürchtend, fast wie im Mittelalter. Nur König Artus lässt auf der Suche nach dem heiligen Gral noch die Gäste seiner Tafelrunde warten, und ob seine Ritter die ehrenwertesten sind, bleibt ungewiss.

Was hat die Maske mit dem Freiheitsentzug und dieser mit dem Rechtsstaat zu tun und wozu der Verweis auf Schwellenländer, das Gewicht der Seele oder den Gral u.s.w.? Zunächst will diese scheinbar wahllose, für Chaos sorgende, Verkettung einzelner Phänomene und Gedankensplitter gleich einer Abbreviatur deutlich machen, wie willkürlich Argumente wie Schlagworte in einem komplexen Themenfeld behandelt werden. Angedeutet wird damit das Ende eines Meinungspluralismus, dessen Surrogat der Meinungspleonasmus ist, denn zumindest die öffentlichen Medien haben sich auf Stillhaltetaktik gegenüber den Alarmparolen geeinigt. Deutschland hat Tradition darin zu gehorchen, das Wort Weltschmerz ist sogar patentiert als unübersetzbar.

Camus spricht von der Logik des Absurden, die nichts mit einer absurden Logik gemein hat und doch stets mit ihr verwechselt wird. Schließlich sollen wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, obgleich dieser scheinbar nichts tut, weil er nichts zur Veränderung seiner Lage tun kann. Doch wer so denkt, hat weder den Mythos noch Camus verstanden.  In diesem Fall besteht die Logik des Absurden in der Kettenreaktion, die das Leid, das man aus der Welt tilgen möchte, nur verschlimmert und zugleich das schwächt, was Erleichterung verschafft. Derzeit erschwert die kurzfristig angelegte Politik der Passivität und des zunehmenden Bürokratismus nur den persönlichen Weg, langfristig mit dem Absurden leben zu können und sich lebenslang zu entwickeln. Sie verwechselt Hingabe an das Leben mit Auf- und Preisgabe an den Tod. Die Logik des Absurden besteht in der Annahme der Hoffnungslosigkeit bei gleichzeitigem Glück und Empörung oder Revolte für die Freiheit gegen das vermeintlich unvermeidbare Schicksal, das nur Not und keine Wende kennt. Eine Hoffnung aber bleibt, die Kafka „das Zögern vor der Geburt“ genannt hat.  Eine Entschlossenheit, von der der Malraux sagt: Man kann nicht mit der Macht flirten, man muss sie heiraten.

Dem gegenüber existiert eine absurde Logik. Sie besteht im urteilenden Menschen seit dem Sündenfall, der Eva als eine Rippe von Adam bezeichnet, folglich als einen Teil von ihm als dem Ganzen und dennoch die Verführung mit ihr beginnen lässt als ein abgespaltenes Wesen. So wie Eva sich von Adam abgespalten hat, was den Geschlechterkampf und die Suche nach der (Selbst) Vervollkommnung nach sich zieht, hat sich der moderne homo sapiens von seinem göttlichen Ursprung getrennt, zumindest entfremdet und so sucht der entfesselte Prometheus nun den Stein des Weisen, der ihn heilt, ganz macht und unversehrt lässt immer im Außen, nie in sich selbst. Selbstheilungskräfte müssen nicht herbeigebetet werden, ein Rezept für sie existiert nicht, Nebenwirkungen bleiben. Der Mensch fühlt sich immer schuldig und braucht dazu eine Religion, um zu sühnen oder Schuld zu erklären (meist auch zu verlagern), denn aus der Welt zu schaffen ist sie nicht, wie alles Absurde seinen Sinn im Dasein behält. Eine solche trügerische Hoffnung, die das Handeln vom Diesseits auf die mögliche Erlösung ins Jenseits vertröstet, ist wenig ratsam, selbst wenn das Jenseits in einem Impfstoff nun doch diesseitig gesucht wird, vertagt der Hoffende seine gegenwärtige Existenz , weil er, wenn nicht götter-, so doch götzenhörig geblieben ist. Klaglos nimmt er hin, was zu beklagen wäre. Stattdessen führt er Kriege und Prozesse, Klagen über Klagen gegen den Nachbarn und meist auch Kämpfe gegen sich selbst.

Es geht um den Verlust der Freiheit oder zumindest dem, was davon zu halten ist. Meine Überschrift beginnt mit einem Imperativ, einem Appell. Kategorisch im Sinne Kants: Handle (ich erweitere hier: Denke) dass du wollen kannst, dass dein Handeln (Denken) jederzeit allgemeines Gesetz werden könne. Die Hypothese lautet: Maskenpflicht rettet weder die Welt noch meine Gesundheit, sie wiegt mich und andere in trügerische Sicherheit und wird zu einem Symbol der Anpassungs- und Gleichschaltungsgesellschaft (der Begriff ist durch die NS Sprache verunglimpft, er meint Entindividualisieren). Sie verhindert Quer- und Weiterdenken über den Maskenrand hinaus, sie schafft eine Horizontverengung und falsche Fragestellung, die das Denken des Denkwürdigen untergräbt. Daher, im Anschluss an von Suttner, die damals scheinbar Unmögliches und Naturwidersprüchliches forderte: die Masken nieder. Augen auf, Gehirn einschalten, klar denken, klar sehen, klar erkennen, was geschieht und im Sinne Kant Urteilskraft angemessen agieren und klar handeln, nicht nur reagieren. Angemessenheit und Würde sind mit interesselosem Wohlgefallen an der Glückseligkeit verbunden. Das heißt im Klartext: die Sache muss von sich selbst gedacht und als schlüssig befunden werden. Eine Maske schützt nicht nachweislich und wenn sie es täte, müsste sie in allen Lebenslagen getragen werden, nicht nur situativ oder kontingental.

Der Hypothese, Masken nützen nicht(s) und ihrem Appell, legt sie nieder wie man Waffen niederlegen muss, um Kriege zu verhindern (sie dienen nicht dazu, um ihnen vorzubeugen oder sich vor Krieg zu schützen), folgt die Kernthese: das Umgehen mit Masken, worin sich die hysterische und zugleich  defensive Reaktion mit einem unbekannten Risiko stützt, führt zur bereitwilligen Eindämmung und Beseitigung des vielleicht größten Gutes der Menschheit überhaupt: der Freiheit. Bevor der Gedanken pro und contra weitergeführt wird, gilt es darzulegen, was Freiheit substanziell ist.

Grundlegend verwechseln viele Freiheit mit Willkür und auch mit Befreiung von etwas, sei es Schulden moralischer oder pekuniärer Art, dem Losgelöstsein von Verantwortung oder verhassten Konventionen, daher verstehen sie nicht, dass dies nur die negative Seite der Freiheit inkludiert. Positiv vermeint Freiheit sowohl Gemeinschaftssinn und Solidarität, womit die Transzendenz von Ich zum Du oder Wir einhergeht, die letztlich volks- und staatenbildende Voraussetzung bildet, als auch mentale Grenzüberschreitung für sich selbst. Ein freier Mensch darf sein wie er ist und noch mehr, er darf sich entwickeln, wie er es braucht und kann, in seinem Tempo. Freie Meinungsäußerung wird häufig missbraucht, weil sie, philosophisch betrachtet, auf Unfreiheit, sprich Unmündigkeit und mangelnder Authentizität beruht. Ohne die vielzitierte Manwelt zu entvölkern und zu sehr in milieubedingten Sümpfen klares Wasser zu suchen, soll hinter die Maskerade geblickt werden, über die Fassade hinweg, die wir unser bürgerliches Recht nennen, das sich häufig in der Sympathie- oder Antipathie Bekundung erschöpft. Das Gütesiegel frei sieht sich wie einst der Label Bio zweckentfremndet. Freie Menschen oder frei Meinungen, freie Wahl, alles wird inflationiert und damit entwertet. Was Substanz ist, verkommt zur Akzidenz, was Priorität genießen sollte, stumpfe Rhetorik und Appendix. Reziprok ist die Freiheit nur dann absolut, wenn sie für alle gilt; gleich einem Virus kennt sie weder Grenzen mit Pass- und Gesundheitskontrollen, noch lebt sie von allein, sondern bedarf eines Mediums, eines Trägers, nicht virtuell, sondern leiblich, organisch, lebendig.

Nietzsche wurde pervertiert, daher ist jedes System und selbst jeder einzelne Gedanke durch Ideologisierung bis ins Krankhafte und Absurde verkehrbar. Ein Satz wie „Gott ist tot endet“ nicht mit dem Punkt, bestenfalls seine Syntax, denn der dahinterstehende Gedanke vermag nur durch den Kontext erschlossen zu werden. In diesem Fall genügt der Folgesatz: „Ich fürchte, wir werden ihn nicht los, so lange wir noch an die Grammatik glauben“.  Der Satz könnte auch lauten: Corona existiert nicht. Ich fürchte, wir werden Corona haben, so lange wir leben. Manch ein Demonstrant fordert die Abschaffung von Corona. Das ist ebenso lächerlich wie Gottes Tod zu verkünden. Gemeint war und ist eine, über die wörtliche Aussage hinausgehende Metaussage, die weder verifiziert noch falsifiziert werden kann. Es ist die Bitte um die Rückkehr zur Normalität, verbunden mit dem dringlichen Appell dem gesunden Menschenverstand zu folgen. Freiheit betrifft nicht nur die Unversehrtheit des eigenen Körpers oder den Schutz der Gegenwart, sondern, das ist entscheidend, die der gesamten Welt und für alle Zeiten. Sie ist unteilbar und auch nicht temporär oder räumlich zu parzellieren. Die Maske hingegen, Symbol für eine verfehlte Kommunikations- und Erstickungspolitik, eine Prothese und nicht einmal Mittel zum Zweck, hat nur einen Grund: sie lässt unser Gesicht, unsere Haltung, unseren Mut verschwinden, angemessen und interesselos mit den Risiken zu beschäftigen und regulierende Maßnahmen als Ge- und nicht als Verbote zu erlassen.

Die Fakten über Corona, vor allem die Gefahr und wirksame Gegenmaßnahmen, sind empirisch strittig, denn die kumulierend Infizierten werden nicht auf andere Ursachen wie ein defektes Immunsystem überprüft, so dass die Ansteckung mit dem Erreger viele Interaktionen herbeigeführt haben kann. Langfristig haben sich Viren sogar als evolutionsfördernd erwiesen. Was faktisch evident ist, wird entweder übersehen, billigend in Kauf genommen oder soll weniger Wert haben als der Schutz vor Straßenunfällen oder die Reduzierung der Suizidrate, denn damit scheint man sich abgefunden zu haben. Die Rede von Werten der persönlichen wie kollektiven Freiheit schließt die Lähmung von Kultur und den Erstickungstod zahlreicher wirtschaftlicher Impulse ein; das Land liegt brach in einem selbst verordneten Zustand der Apathie, von denen die Massenysterie um das Massensterben ablenken soll.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch„. Hölderlin spricht durch Hyperion von den Deutschen als seelenlose Automaten. „Doch uns ist gegeben, auf keiner Stelle zu ruhn„. So rechtfertigt Hyperions Schicksalslied die Krisis als Chance zu einer progressiven Entwicklung der Seele. Einem im Sinn der Aufklärung gebildeten Menschen, der weder an Verschwörung noch Lenkbarkeit oder gewollte Unterwanderung glaubt, muss die unseriöse Art des nervösen Handelns befremden. Der gegenwärtige Umgang, der permanent Katastrophen- und Ausnahmezustand suggeriert, auf das unabsehbare Ende der Normalität insistiert und Skepsis an der politischen Handlungskompetenz eskamotiert, legitimiert sich über den Hinweis auf die universale Bedrohung durch eine angebliche Pandemie. Der Vergleich zu historischen Seuchen wie der Cholera, Pest oder Spanischen Grippe hinkt, aber da es sich für einen seriösen Philosophen verbietet, die Welt in Zahlen aufgehen zu lassen und ein Unrecht durch ein anderes zu rechtfertigen, sei nur der Verweis gestattet, dass diese Krankheiten, die man früher im Tal der Ahnungslosen die Geisel Gottes nannte, mit Ideen begegnete und möglicherweise auch mit Idealen und Utopien, nicht aber einer Dystopie vom virenbeherrschten Zombieland

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