Der rauchende Esel

Der rauchende Esel

Das Foto zeigt einen Esel auf einem T- Shirt und wer genau hinschaut, kann drei Nüstern statt zwei entdecken. Die Geschichte beginnt am 28 August 2018 in den vulkanischen Cevennen und sie endet am 28. August 2020. Der Weg GR 70 oder chemin de Stevenson bezeichnet die abwechslungsreiche Wanderstrecke zwischen Le Puy en Velay und Alès. Die wichtigsten Stationen auf dieser Wanderung, die der schottische Schriftsteller im September 1878 mit der Eselin Modestine unternahm, führten ihn 14 Tage durch die Cevennen, die er in „Reise mit einem Esel“ beschrieb. Die erste Station laufe ich von Le Puy en Velay 20 km nahe der Loire den rot-weiß markiertem Weg bis Le Monastier sur Gazeille, genau wie der Autor von der Schatzinsel im 28. Lebensjahr, der auch seine liebe Müh und Not mit seiner Gefährtin hatte und am Ende beim Abschied doch geweint haben will.  Das Buch mit seinen Stationen in der Tasche leihe ich mir zu meinem Geburtstag in diesem Dorf auf etwa tausend Meter Höhe einen Esel aus, doch meiner heißt nicht „Die Bescheidene“, sondern Anatole. Bei dem Namen denke ich an den Nobelpreisträger Anatole France und an den Schwerenöter in Schnitzlers gleichnamiger Komödie. Meiner bringt 200 Kilo, acht Jahre Lebenserfahrung, ein entzündetes Ohr, eine Menge Unerfahrenheit und noch mehr Fliegen mit.

Esel kann man bekanntlich nur erziehen und sind nicht wie ihre Artverwandten zu dressieren, woher auch der Ausdruck sturer Esel kommt. Eine Geschichte fällt mir ein. Eine gemischte Gruppe aus Pferden, Eseln und Maultieren wird mit der Eisenbahn transportiert, es kommt zum Zusammenstoß, bei der kein Wagon entgleist, aber die Tiere gehörig durchgerüttelt werden. Alle Pferde geraten in Panik, bäumen sich auf, hoch, schlagen aus, um ihrem Verschlag zu entkommen, wobei sie sich gegenseitig schwer verletzen, die meisten brechen sich die Beine. Die Esel stehen still und zittern, viele von ihnen sterben am Herzschlag oder an einem Schock.  Die Maultiere aber, halb Pferd, halb Esel, geraten weder in Panik wie die Pferde, noch sterben sie durch den Schock wie die Esel; sie stehen ruhig, bis jemand kommt, um die Türen ihrer Wagons zu öffnen. Dann steigen sie gelassen aus und suchen sich etwas zum Grasen. Contenance kann ich von Anatole lernen, das merke ich bald. Aber statt das ich ihn erziehe, unterrichtet er mich in der Eselsschule und am Ende bin ich um zwei Erkenntnisse reicher und dreihundert Euro ärmer.

Die vor uns liegende Strecke hat es in sich: Die Landschaft Velay ist durch Vulkangestein und Hochebene geprägt, Le Gévaudan durch kleine bewaldete Täler und Heide, der über 1600 Meter hoch gelegene  Mont Lozère durch seine Nacktheit, eine Mischung aus Granit und Kalk, zuletzt folgt der Tarn mit seinen zerklüfteten Felsen, bevor es wieder flach auf 150 m Höhe hinabgeht. Der Anfang gestaltet sich holprig, steinig, obschon er auf Asphalt beginnt. Anatole will nicht, natürlich, er muss sich an mich gewöhnen. Verkehr mag er nicht. Seine Grenzen erst recht nicht. Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche prallt ereignislos an ihm ab. Bald ist klar: Ich werde lernen müssen von ihm, viel lernen. Kaum in Bewegung gesetzt wartet das nächste Hindernis: ein Bach, mehr ein Rinnsal Wasser. Es ist heiß, doch Anatole verweigert mir energisch seine Gefolgschaft. So flach und kühl das Wasser auch ist, er bleibt, wo der Pfeffer wächst.

Da sitze ich nun in des Esels Schatten und muss an Dürrenmatt denken, seine abstruse Geschichte um den Streit eines Eselstreibers aus Abdera mit einem Zahnarzt, der nicht für den Schatten des von ihm gemieteten Esels zahlen will, worauf der Eselsbesitzer stur besteht. Die Folge ist ein Prozess, der seine selbstzerstörerischen Kreise bis zu einem Bürgerkrieg immer weiterzieht, bis am Ende die ganze Stadt in Schutt und Asche liegt.  Die Geschichte ist nicht neu, schon Goethes Freund Wieland bindet sie in seine Novellensammlung „Die Abderiten“ ein und vor ihm Demosthenes und Plutarch. Es verhält sich wie mit den Schilda – Bürgern; Vernunft will sich nicht einstellen, vermeintliche Klugheit entpuppt sich als stupide Berechnung. Doch worüber lache ich eigentlich? Mein Kopf hat mich auch nicht so weit gebracht und am Stolpern verhindern können, den, wie Kleist schon sagt, zum Straucheln braucht es nichts als Füße. Am Ende hat der Esel Dürrenmatts schon recht, wenn er angesichts des von Menschen in ihrer Streitlust angerichteten Infernos fragt, ob er der richtige Esel sei. Alles eine Frage der Einsicht und hernach der richtigen konsequenten Entscheidung, denke ich. Anstelle immer nur Probleme zu sehen, könnte die Lösung der richtige Weg sein und mich meinem Ziel nähern. Wie komme ich nun mit Anatole auf das andere Ufer

Esel haben in der Geschichte eine reichhaltige literarische Bedeutung, ich denke da an Christus, der in Jerusalem einreitet, Bruno, der einen Gelehrtenstreit mit seiner Hilfe schlichtet oder Nietzsche, der Zarathustra das Grautier im Ja und Amen Lied als Begleiter zur Seite stellt. An das aristotelische Gleichnis für ein Entscheidungsdilemma und Apuleius´ Legende vom goldenen Esel. Letztere ist die Geschichte von einem in einen Esel verwandelten Menschen, der seinen Verstand behält, vergleichbar mit dem Volksmärchen Kalif Storch von Hauff. Sie gehen nicht über Brücken, weil sie im Fluss durch die gespiegelte Oberfläche nicht erkennen können, wie tief er ist. Eselsbrücken bedeuten metaphorisch Sicherheit und Merkhilfe. Ich hatte in Erdkunde immer Probleme, die Phänomene der Tropfsteinhöhle auseinander zu halten, auch aufgrund ihrer ähnlichen Namen. Stalaktiten wachsen von der Decke, Stalagmiten vom Boden, Stalagnaten sind zusammengewachsen. Die Eselbrücke lautet: Titten hängen, Mieten steigen, eine Naht hält etwas zusammen. Wem das zu schnell geht, der soll mit einem Esel wandern.

Vieles ist anders als bei Stevenson. Er litt unter dem hereinbrechenden Winter und Kälte, Anatole unter sengender Hitze. Wenn er stehenbleibt, kommen vier Gründe in Frage: erstens, er hat Hunger und will sich einen Zweig abzupfen. Man soll einem Esel nach einer Stunde immer eine kleine und nach drei eine große gönnen, so lautet die Eselsregel. Wegen Fressen braucht man nicht zu pausieren, denn Esel reißen sich das vom Weg ab, was sie finden und von einem Schnellschritt ist nicht auszugehen, denn der Esel hat Zeit und mag es gemütlich. Der zweite Grund liegt im falschen Packen begründet. Etwa 20 Prozent ihres Körpergewichtes bildet das Maximum, aber es muss gut verteilt sein, der Riemen um seinen Bauch darf weder einschneiden noch zu locker sein und der Sattel darf weder zu fest sitzen noch hin und her rutschen. Wie im ganzen Leben gilt es auch hier zu halten und von Zeit zu Zeit kleine Korrekturen vorzunehmen.  Der dritte Grund liegt tiefer, meist an den Genitalien, wenn sich Bremsen allzu sehr mit seinem besten Stück beschäftigen oder an Stellen beißen, die seine natürliche Muskelkontraktion nicht zu schützen vermag. Der vierte Grund ist ebenfalls allzu menschlich, Artgenossen kommen vorbei und der fünfte, den erfahre ich auch auf meinem Weg über Stock und Stein, Esel sind Teamplayer und wenn jemand, der zur Gruppe gehört zurückbleibt, dann wartet er auf die Komplettierung der Crew. In unserem Fall sind wir zu dritt, der Esel, meine Frau und ich. Am Besten geht es voran, wenn einer vorne den Takt vorgibt und der andere hinten dafür sorgt, dass dieser Takt auch eingehalten wird.

Was ich von dem Esel lernen kann, ist beachtlich. Zunächst darf man ihn nicht vermenschlichen. Auch wenn ich ihn bürste, streichle, die Hufen säubere, immer für Essen und Trinken sorge und sogar, als sich Vertrauen eingestellt hat, ohne Leine laufen lasse, quasi ein guter Papi für ihn bin, kennt er in unserem Sinne Dankbarkeit nicht. So lange ich mich frage, wieso er so undankbar ist, werde ich Anatole nicht gerecht, denn er zeigt seine Treue auf andere Art, aber nicht darin, dass er funktioniert, wie ich es will. Ich sage am Anfang immer allez und mangez, laufen und fressen, das ist ein guter Kompromiss, doch Anatole ist Franzose und versteht nur mangez, also frisst er vorzugsweise, ohne sich dafür wieder in Marsch zu setzen. Zu glauben, eine Hand wäscht die andere, ist eine menschliche Erfindung, die auch nur bedingt funktioniert, wenn wir ehrlich sind.

Darüber hinaus begreife ich in den Tagen mit Anatole, weshalb wir Menschen die Welt mehr oder weniger regieren, weshalb wir und nicht die Esel Raketen erfinden oder Toiletten oder Häuser oder Fußball. Zum einen: der Esel kennt keine Zeit außer das Jetzt. Er lebt den auratisierenden Moment, ihm allein widmet er seine Aufmerksamkeit. Ob er ihn genießt, bleibt Ansichtssache, auch ob er ihn in meinem Sinn des Nutzens carpe diem versteht, fragwürdig. Doch ein Esel macht keine Pläne, er ist zufrieden mit dem, was er vorfindet und wie es ist. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Der größte Vorteil: er vergleicht nicht, verliert keine Zeit mit überflüssiger Nostalgie oder Träumerei, die ihn von dem abhalten, was gerade Not tut. Er geht im Handeln und nicht im Grübeln auf. Folglich hat er keine Sorgen, kennt keine Zukunftsängste, bereut nichts. Da er keinen Komparativ kennt, vergeudet er keine Sekunde seines Lebens mit Möglichkeitssinn und Sinnsuche. Er erfindet keine Ausreden, verschiebt nichts, leidet ergo nicht an Prokrastination oder Entscheidungsschwäche wie ich.

Andererseits wird aus seiner Schwäche auch eine Schwäche. Anatole und seinesgleichen werden nie fliegen und keine Häuser bauen, denn ihnen fehlt das utopische Denken. Aus Mangel an Fantasie und Selbstgenügsamkeit entwickeln sie sich nur langsam und wandeln auf ausgetretenen Eselswegen. Zum Führer oder Individualisten eigenen sie sich nicht; sie sind zum Dienen geboren, selbst in der Freiheit, was man unter Philosophen als freiwillige Knechtschaft bezeichnet. Insofern zwinge ich ihn nicht meinen Willen auf, sondern gehe ihm vor wie ein Leitesel, den er zur Orientierung braucht. Willensstärke besitzt er trotzdem, Ausdauer und Beharrlichkeit beweisen es, doch nicht im menschlich bewussten und situationsbezogenen Kontext. Es ist folglich keine Unterdrückung, wenn man dem Esel Weg, Richtung, Geschwindigkeit und Streckenlänge vorgibt. Es ist aber zum Verzweifeln, wenn man nicht weiß, ob das Tier aus Erschöpfung nicht mehr vorangeht oder weil es einfach keine Fantasie hat, wie gut und schön es ist, wenn er sein Ziel erreicht. Ich lerne, was Freuden der Pflicht sind und dass Befehlen oder Vorangehen ihm keineswegs schadet, weil Macht ausüben nicht mit Herrschen zusammenfällt.

Reise ich allein, treffe ich die Prioritäten. Mit Anatole ist es anders. Ich muss an ihn und seine Bedürfnisse denken, eine Eselsunterkunft muss nebst meinem Nachtlager vorhanden sein für seine artgerechte Unterbringung, eine Menge Routine, die für sein Wohlergehen sorgt, steht an erster Stelle: saubere Füße, Felluntersuchung, in seinem Fall medizinische Versorgung durch Antibiotika, eine angemessene Ernährung wie Kraftfutter. Dinge, die nicht am Wegesrand aufzufinden sind und meinen Rhythmus, die Tagesstrecke, mitbestimmen. Was ich lernen muss ist eine Verantwortung, die jene für Hund und Katze übertrifft, andererseits ist der Esel nicht so schutzlos wie ich und ihm wäre auch ein einfacher Baum zum Unterstellen recht. Was ich nicht bedacht habe, ist seine Anhänglichkeit. Kaum weiche ich abends von seiner Seite, beginnt er zu schreien, weil er Gesellschaft gewohnt ist, ein Herdentier, das mich adoptiert hat. Andererseits kann ich nicht auf jedes I-A reagieren, auch das wäre weder menschen- noch eselsgerecht. Ich lerne abzuwägen zwischen seinen und meinen Interessen, irgendwann auch begreifen, dass er Dinge fühlt, die nicht sprachlich kommuniziert werden brauchen oder können. Eine Persönlichkeit bringt er auch mit, die wiederum mit der meinigen interagiert. Ob man da von Charakter sprechen muss? Unbedingt. Anatole, „der aus dem Morgenland Stammende“, hat Charakter, dessen bin ich mir nach 10 Tagen sicher. Insbesondere macht es ihm Freude, mich beim Essen zu stören. Egal was er für Leckereien vorfindet und wohl wissend, dass ich hauptsächlich Wein konsumiere, der ihm nicht behagt, kommt er immer wieder, um seine Nüstern in meinen Proviant zu wühlen, der aus Käse und Oliven besteht. Er sucht und fordert Aufmerksamkeit.

Anatole hat ein feines Gespür dafür, wenn Spannungen in der Luft liegen oder ich nicht weiß, wie ich mich verhalten oder gar entscheiden soll. Meine Schwäche verunsichert ihn, daher ist es gut, nicht nur so zu tun, als wüsste ich, was ich möchte, denn das merkt Anatole, auf Schauspiel und Hypnose fällt er nicht herein, da sind Menschen oft leichter zu manipulieren, auch Mitleid im Sinn von Mitgefühl kennt er nicht. Ich muss wirklich wissen und ihm vorleben, was ich weiß und will. Entschlossenheit ist eine Tugend, dem Esel unterstellen wir Sturheit, aber es ist eine Tugend, die er braucht. Über die täglichen Gedanken artgerechten Umgangs werde ich immer wieder auf mich selbst, auf den gerechten Umgang mit mir selbst, geworfen.

Beim Esel gilt es Nässe zu vermeiden; seine Hufe sind besser an trockene Verhältnisse angepasst als das Pferd. Sorgen beim Abstieg, für Menschen durchaus gefährlich, sind unangebracht, er findet seinen eigenen Weg und muss keine Steine aus dem Weg geräumt bekommen, die Menschen schaden. Der Esel sieht gut bei Dämmerung, aber wie alle Paarhufer kein Rot – der Mythos vom Stier, den Rot rasend macht, hatte ich schon lange zu den Akten gelegt, doch was genau sieht mein Anatole? Da sein Radius als Fluchttier immerhin 340 Grad beträgt, mag er den toten Winkel nicht und schlägt mitunter aus. Wenn man das weiß, erspart sich ein jeder eine üble Überraschung. Esel können die Farben gelb, grün und blau unterscheiden, Orange und Rot sind zu langwellig und Violett zu kurzwellig. Folglich folgt mein Anatole eher Geruch und mitunter auch Windbewegungen, auch ihre Artgenossen erkennen sie sofort am unverwechselbaren Geruch und mitunter auch an der Motorik, die durchaus Nuancen kennt, für die der menschliche Blick keine Verwendung findet. Da Esel verschiedene Laute vom Menschen unterscheiden können, erkennen und hören sie auf ihren Namen, sofern er richtig betont und moduliert wird, nicht abstrakt. Kommen die Geräusche nicht von einer Seite, reagieren die Anatoles dieser Welt argwöhnisch mit latentem Fluchtimpuls.

Auch wenn es unglaubwürdig klingen mag, so hat mir Anatole geholfen, Kontakt zu meinen unmittelbaren Körperwahrnehmungen aufzunehmen, mein Gespür für das Selbst oder Ich zu sensibilisieren und mich im Einklang der Natur zu bewegen. Ich bin ruhiger und aufmerksamer geworden, dankbarer für den Moment. Nicht im Kopf, sondern die Stimme im Herzen kann ich jetzt besser hören. Ich vernehme nicht mehr eine intellektuelle Entscheidung, das Für und Wider der Argumente, sondern weiß wieder, was Intuition und Instinkt sind. Summa summarum habe ich mich in den Tagen mit Anatole wieder auf das Wesentliche beschränken können. Um mit Nietzsche zu reden:

„Du gehst gerade und krumme Wege; es kümmert

dich wenig, was uns Menschen gerade oder krumm

dünkt. Jenseits von Gut und Böse ist dein Reich. Es

ist deine Unschuld, nicht zu wissen, was Unschuld ist.“

Das Dilemma, sich zwischen Heu und Wasser nicht entscheiden zu können, folglich seelisch blockiert zu sein durch zwei elementare, etwa gleich starke Triebe und Bedürfnisse, schleppe ich immer noch mit mir herum, doch vermag ich jetzt gelassener damit umzugehen und gehe dem nach, was im Moment erreichbar und sinnvoll erscheint. Wie die meisten Lehren geht es nicht darum, etwas zu erkennen, weil zwischen kognitivem Sein und Handeln Welten liegen, die sich manchmal sogar lebenslang nie so recht ineinanderfügen wollen, sondern es geht einzig darum, eins zu werden mit diesem einen Augenblick und der Stimmigkeit in mir selbst.

Was hat das mit dem T- Shirt und dem Rauchen zu tun? Prosaisch könnte ich die Geschichte so zu Ende bringen: Zwei Jahre nach diesen Erlebnissen auf dem Stenvensoweg mit Anatole schickte mir ein Freund, mit dem ich im selben Jahr wie Lawrence von Arabien auf Wüstenschifften, sprich Kamelen durch Jordaniens Wadi Rum ritt und in Anlehnung an meine damalige Begeisterung für das Schischa – Rauchen eine Gewürznelkenzigarette schenkte. Beim Anzünden brach der Streichholzkopf ab und entzündete das T-Shirt, das ich gerade zum ersten Mal am Leibe trug, so dass sich ein Loch in die Baumwolle einbrannte, das sich nun zwischen den Nüstern des Esels befindet.

Ohne Anatole wäre meine Lebensphilosophie, Nietzsche zum Trotz in Selbstabwertung, Selbstbeschuldigung und Sinnhinterfragung verfallen, Demoralisierung auf allen Wegen. Dank Anatole denke ich nur, genieß den Moment, lerne, ein Streichholz nach vorne, vom Körper wegzuführen oder dein dir wertvolles Hemd auszuziehen, wenn du Ungewohntes vorhast. Blicke nicht zurück und fühle dich schuldig oder beklage dein Missgeschick. Der Tag ist gut so, wie er ist. Das Loch passt zu mir und der Reise mit Anatole, zudem sitzt es auf dem besten Platz und bildet ein so genanntes Unikat bildet. Wir alle sind einzigartig und so viel mehr wert als die Summe unserer Taten.

Carpe diem

Links: https://www.youtube.com/watch?v=V1NffuW9_qA

https://www.fernwege.de/f/stevenson/etappen/index.html

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