Sokratische Frage: Gericht, Gerücht, Gesetz – und wo bleibt das Gewissen?

Infektionsschutzgesetz philosophisch hinterfragt

Die sokratische Frage ist die Mutter aller Erkenntnisstrebenden: Was kann ich wissen? In ihrer Erweiterung: Wann kann ich mir sicher sein, dass ich weiß und nicht nur meine, glaube, urteile? Die Regierungskonformen meinen, die aktuelle Krise schärfe Solidarität, Miteinander und Demokratie. Die Opportonisten, mutmaßlich in der Minderzahl, behaupten das Gegenteil. Auch ob die Philosophie sich in die Politik einmischen oder politisch werden soll (was nicht das selbe ist) sind  heikle Fragen, an der sich nicht nur die Geister scheiden. Platon und Arendt, um nur ein traditionelles und ein modernes Beispiel zu benennen, bejahten dies, aus unterschiedlichen Gründen. Sokrates und Kant verneinten es, ebenfalls mit diversen Argumenten. Aristoteles liefert eine Staatstheorie, die verschiedene pro und contra Argumente für die Regierungsformen findet und differenziert scharf zwischen politischer Position (Meinung) und Handeln (Amt); für Arendt ist sein Modell der vita activa und der vita contemplativa entscheidend. Um das Fazit vorwegzunehmen und das beschwerliche Lesen oder gar Denken zu miniaturisieren (wie es Virenzeiten erfordern): Anstelle einer entweder- oder Lagerbildung besteht Grund zu einer sowohl- als auch Argumentations- und Abwägungsentscheidung. Allerorten ist von Strategie die Rede. Demokratie ist instabil und daher mehr als andere Regierungsformen gefährdet als auch gefährdend. Vor allem, wenn man Aristoteles Glauben schenkt, dass nur dann etwas als gewiss gelten kann, wenn das was, woher, wohin und wozu beantwortet werden kann. Nur eine offene Frage genügt und der Kenntnisstand ist fraglich, der Mensch fragil, die Wahrheit kurzlebig. Vita brevis est – sagt Hippokrates und der Satz geht weiter.  Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang (ars longa est). Er hat gemeint, wenn man den Text verfolgt, die Folgen unserer Handlungen, die Kunst des vorausschauenden Handelns, ist lang. Für die antiken Griechen war ja bekanntlich alles „ars“  Kunst, das ch am Ende ersparten sie sich.

Der Reihe nach: Gegenstand der Untersuchung ist das geänderte Recht, also die Justierung eines Gesetzes durch das Parlament, das Handlungen der Exekutive legitimiert. In den offiziellen Medien heißt es: „Das zur Bewältigung der Coronakrise vorgelegte dritte Bevölkerungsschutzpaket wird von Gesundheits- und Sozialexperten grundsätzlich begrüßt.“ Das neue und vor fünf Tagen durch Parlamentsbeschluss in Kraft getretene „Bevölkerungsschutz-Gesetz“ kann eingesehen werden unter https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw46-pa-gesundheit-bevoelkerungsschutz-803156. Gesetze zu ändern bedürfen gewöhnlich außergewöhnliche Umstände wie eine Notlage. Begründet wurde dies aktuell mit dem Begriff der Pandemie, einem Schreckenswort, das an die Pest, Blattern oder Cholera und Spanische Grippe gemahnt, der Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Vor wenigen Wochen wurde der Auswertungsbericht KM 4 – 5100/29 vom Referat Schutz Kritischer Infrastrukturen von der Internet-Plattform genommen. Darin leugnet niemand  Covid, sondern das Expertenkomitee hinterfragt sowohl das Ausmaß der Bedrohung und die Reaktion darauf: er stuft die Mittel der Quarantäne als kontradiktorisch ein. Die Expertise geht den vier aristotelischen Fragen nach und kommt zu neun Antworten. Am Ende des Blogs befindet sich die vorangestellte Zusammenfassung im Original der 92 Seiten, auf die leider nicht mehr verlinkt werden kann. Der Autor fragt sich, weshalb diese Darstellung, die der Regierung fake news und Fehlalarm in klaren Worten vorwirft, gelöscht wurde, was den Eindruck von Vertuschung und Leugnung evoziert.

Um es deutlich zu machen: Das aus der digitalen Realität entfernte Papier wurde am 12. 5. 2020 erstellt nach dem ersten logdown. Es ist folglich nicht brandaktuell. Die ergriffenen Maßnahmen im November 2020 (umgangssprachlich zweiter lockdown) weichen jedoch kein Jota von ihnen ab. Man darf daher am Sachverstand oder einer sachlichen Begründung des Wortes „Pandemie“ erhebliche Zweifel anmelden, ebenso an der Lauterkeit der erwogenen und durchgeführten Maßnahmen, sowie der Zahlenspiele  (empirische Hochrechnungen, Fallstudien). Sie galten im Mai bereits als kontradiktorisch und die empirischen Fallstudien als unwissenschaftlich durchgeführt, die Tests als fehlerhaft (Unschärfe bei der Ermittlung der RNA). Fand eine Diskussion darüber im Parlament statt? Nein. Legitimiert wird durch das (neue) Gesetz nur, was vorher illegal oder zumindest im rechtsfreien Raum praktiziert wurde.

Gesetzesänderung ist Ländersache auf der Basis einfacher Mehrheit, was bedeutet, dass die Regierungsparteien im Vorteil sind.  Auf der obigen verlinkten Seite ist nicht nur der inzwischen beschlossene „Gesetzesentwurf zum Schutz der Bevölkerung vor der Pandemie“  nachzulesen, sondern auch die Entwürfe und Einwände der verschiedenen Nichtregierungsparteien. Es gibt nicht wenige Personen, die  gar nicht wissen, was eigentlich genau vom Parlament nachträglich beschlossen wurde und wie tief die damit verbundenen Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht sind. Demzufolge urteilen sie über etwas, was sie nicht kennen und bilden ihre Meinung nach Glauben und Vertrauen.

Ebenso findet sich dort der Antrag vom 4. 11. der Afd „Eigenverantwortung statt Verbot und Zwänge“, sowie der Antrag der Grünen / Bündnis 90, gleichfalls vom 4.11. „Rechtsstaat und Demokratie in der Corona-Pandemie“. Immerhin – die Transparenz und der Austausch von  Überzeugungen findet statt. Beide, sonst konträre Parteien sind sich darin einig, dass § 28 und § 32 des Infektionsschutzgesetzes massive Eingriffe in das bisherige Rechtssystem erlauben und die Kriterien der Eignung nicht erfüllen ohne die Maßnahmen zu konkretisieren, so dass eine staatliche Willkür zu befürchten steht. Die Partei argumentiert mit der „Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems“ und der „Stabilisierung des Determinierungsgrades“, womit gemeint ist, dass die Maßnahmen an den konkreten Erfordernissen überprüft und in allen Ländern einheitlich angepasst werden müssen. Darüber hinaus übt die Partei Kritik am derzeitigen Informationsstand und der Informationsverbreitung. Zu hören von diesen Bedenken war in den öffentlich-rechtlichen Medien nichts.

Der Vorschlag der Afd, um die erheblichen Eingriffe und Kontrollmaßnahmenfür die Bürger zu umgehen, empfiehlt das Hygienegesetz einheitlich zu regeln, Risikogruppen stärker einzubinden (selektiver als bisher vorzugehen) und mit Augenmaß bzw. Pragmatismus anstelle Panikmache und (in ihrer Effizienz höchst umstrittenen) Testausweitung fortzufahren. Zudem rückt der Antrag die „Corona-Kollatoralschäden“ (ein Wort, das nicht mehr unfallfrei über die Lippen dringt) in den Vordergrund, da, so das Argument, nur eine gesunde Wirtschaft zu einem intakten Gesundheitssystem beitragen könne.

Die LINKE schließlich spricht in ihrem Antrag vom 3.11., dem „Antrag zur demokratischen Kontrolle“ (die Wortkombination inkludiert subversiv ein Oxymoron bzw. Paradoxon) der Pandemie von fehlenden Experten-Konzepten über die Nachhaltigkeit der Maßnahmen. Auch ihren Entwurf kann jeder Bundesbürger mit Internetzugang auf obigen Link einsehen. Hier rückt das Problem der „Vertrauenskrise“ in den Fokus, die Partei fordert in ihrem Antrag auf „regelmäßige öffentliche Anhörung mit unabhängigen Expertinnen und Experten“ unterschiedlicher Fachrichtungen. Wer die öffentlich rechtlichen Medien verfolgt, kann  nur einen Missstand von ausgewogener und teilweiser einen Mangel an Fachkompetenzen konstatieren, eibne fehlende Streitkultur auf sachlichem Niveau. Wir hören stattdessen ein Medley, eine dumpfe Begleit- und Untergrundmusik, keine Stimmen, keine Zeugen des verstummten wie vermummten Gewissens.

Man darf an dieser Stelle erwähnen, dass unser derzeitiger Gesundheitsminister Spahn nicht nur eine Wirtschaftsausbildung durchlaufen hat, sondern von 2006 bis 2010 an einem mitgegründeten Lobby-Unternehmen für den Medizin- und Pharmasektor beteiligt war. Die Schlussfolgerung darf jeder selbst daraus ziehen.

Wie nicht anders zu erwarten war, wird auch die Coronakrise politisiert, d. h.  wer die Debatten verfolgt, kann sowohl eine Parteilinie als auch die übliche Diskreditierung der anderen Meinungsbildner erkennen. Der Verlauf der Demonstration rückt  die Diskussion ohnehin weg von der fragwürdigen Entscheidung für das Gesetz hin zur zweifelhaften Störung oder Gefährdung des Bundestags. Da ist (Steinemeier) von Eskalation und Angriff auf das Herz unserer Demokratie die Rede. Es gibt Stimmen von Demonstranten (Augenzeugen), die von hinten durch massiven Eingriff der Polizei nach vorne gedrückt worden sein wollen, was den Eindruck von Aggressivität vermittelte. Wie fast immer gibt es mindestens zwei Meinungen und Wahrnehmungen zu dem Ereignis und nicht die eine Wahrheit. Dies gilt leider auch für die Zeitungen, die einseitig oder unkritisch, in jedem Fall aber mit erkennbaren Sympathien berichten.

Im Grunde fasste bereits Heinrich Heine diesen Zustand einer Pseudo-Demokratie zusammen in seinem Gedicht „Die Wahl-Esel“, das in einer durchaus vergleichbaren Situation entstand, der Gründung der Frankfurter Paulskirche 1848, wenn man so will, der deutsche Vorläufer des heutigen Parla-Parlaments. Anstelle der üblichen Polemik beginnt Heine mit dem Evergreen (https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/HeineNachlese/wahlesel.htm)

„Die Freiheit hat man satt am End,

Und die Republik der Tiere

Begehrte, daß ein einzger Regent

Sie absolut regiere.“

Rechtswissenschaftler und Prof. für Öffentliches Recht, Medien- und Telekommunikationsrecht Volker Boehme-Neßler erklärte den bevorstehenden Beschluss des neuen Gesetzes schlicht für rechtswidrig aus zwei Gründen: erstens justiert das Parlament, das zur Kontrolle der Regierung eingesetzt ist lediglich, was bereits usus ist (Kontrollversagen) – es reagiert, wo es agieren muss, zweitens sind die Maßnahmen  „pauschal“ und damit unzulässig, da sie weder auf einen Notfall noch „verhältnismäßig“ und  nicht einmal sachlich begründet („sinnvoll“) sind. Seine Argumentation im Interview vom 22.10. 2020, der Staat sei zum Schutz der Gesundheit ebenso verpflichtet wie zum Schutz der Demokratie und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten ist nachzuhören auf  https://www.youtube.com/watch?v=zrdx3quGv2Q. Der gesetzliche Rahmen bewegt sich immer zwischen Schutz der Bevölkerung vor Krankheit, und Schutz der Freiheit. Es wäre die Stunde des  Abwägens in Parlament und der gewählten Volksvertreter gewesen, doch zugespitzt formuliert: wo sind die Parlamentarier?  . Die Verfassung hat die Demokratie zu schützen, nicht Regierung und Verwaltungen reinzuwaschen. Das Gericht ist weder ziel- und sachbezogen vorgegangen, noch rechtskonform mit seinen  Panik-Beschlüssen. Die wiederholte Frage nach Sinnhaftigkeit und Angemessenheit lässt keinen pauschalen lockdown zu.

Am 6.11. 2020 wiederholte Boehme-Neßler seine Kritik, dass die Regierung Maßnahmen nur nachträglich ins Gesetz schreiben lässt und sie nicht auf ihre Effizienz überprüft. Im Interview (https://www.youtube.com/watch?v=M0PcNykzPzg) beklagt er, dass unser Parlament aus zwei Gründen weder Gesetz-Vordenker und noch verfassungskonform agiert. Erstens, gilt: um in Grundrechte einzugreifen, muss eine konkrete Erlaubnis und nachvollziehbare Begründung vorliegen anstelle einer Aufzählung von Maßnahmen, die zudem „schwammig“ gehalten bleiben. Der Ermessungsspielraum der Regierung wirkt daher unklar und überdimensioniert: weder Voraussetzungen noch Eingriffe werden darin konkret geregelt. Inzidenzwerte (Neuerkrankungen in einer Woche bezogen auf 100 000)  sind nicht hinreichend geregelt (statistisch manipulier- und interpretierbar), was die inquisitorische Macht des Staates nahezu unbegrenzt lässt. Der zweite Punkt betrifft den Kern der Demokratie, die auf Debatten und Mehrheitsbildung beruht, dieser Handlungsrahmen öffentlicher und kontrovers geführter Diskurse war zu keiner Zeit gegeben. Der Jurist gebraucht die Metapher „Blankoscheck“ für den kompletten Rückzug des Parlaments auf die Zuschauertribüne, womit er eine Bankrotterklärung der Demokratie ausspricht. Das Gericht ist zum Gerücht mutiert (sagt der Verfasser des Artikels, nicht der Verfassungsschutz). Heines „Wahl-Esel“: „Das Kommittee des Parlaments ward von Alt Eselsohren regieret“.  Das Alter der Durchschnittsparlamentarier stagniert seit Dekaden, pardon, das Durchschnittsalter der Abgeordneten liegt bei 49,4.

Zur Bewertung des philosophischen Standpunktes: Aristoteles in „Politika“ beschreibt den Mensch als Zoon politicon, als ein politisches Wesen, zu dem selbstverständlich auch Philosophen gehören. Sie sollen und müssen daher zum Gemeinwesen und Staatswillen beitragen. Der Wille zum Staat basiert auf dem Willen zum Leben und Organisieren, d. h. einer Balance, um Konflikten und Interessen angemessen zu begegnen. Dieser Wille beruht auf Erkenntnis und Neugier, er verlangt Offenheit und Toleranz, damit Kooperation und Autarkie sich wechselseitig stärken, nicht aufheben. Politisches Handeln basiert auf direkte (face to face) Kommunikation, Versprechen und Vertrauen, so Arendt in „Vita activa“; naturgemäß sei eine direkte Kommunikation in kleinen Gemeinschaften leichter und transparenter als in einer nur über die Medien aufrecht erhaltenen indirekten Demokratie. Wo sie fehlt, schlägt Macht in Herrschaft um. Da die Mediatisierung durch die Digitalisierung zugenommen hat, kann ein politisches Handeln auf Augenhöhe naturgemäß nicht mehr Bestand haben, die temporär und lokal begrenzte Macht verkommt zum globalen Herrschaftsinstrument.

Laut Aristoteles sind die sechs möglichen Formen politischer Organisation: Tyrannis, Oligarchie und Demokratie (instabile Seite), Aristokratie, Plutokratie, Monarchie (stabile Seite). Darunter zu verstehen ist ibn dieser Reihenfolge Die Macht eines illegalen Alleinherrschers, der Wissenselite, des Volkes, des Adels, des Geldes, des gesetzlich legitimierten Alleinherrschers. Eine siebte, die von unsichtbaren Mächten gelenkte Demokratie und damit mediale Manipulation ist seitdem hinzugetreten. Laut Aristoteles beinhaltet keine der sechs Regierungsformen das non plus ultra, eine jede hat ihre Vor- und Nachteile, insbesondere auch in Krisenzeiten. Aristoteles erklärt die Demokratie als nur dem Eigeninteresse zugewandt.

Darüber stolpert der deutsche Michel zunächst oder staunt. Demos kratos. Die Macht des Volkes ist die am wenigsten dem Allgemeininteresse verpflichtete Verfassungsform? Aristoteles argumentiert, die Volksvertreter würden hier beeinflussenden Reden und damit geschulter Rhetorik mehr Glauben schenken als den Tatsachen. Sie bilde eine Extremposition, die nur in gewissen Situationen Sinn mache, bei der Ausarbeitung einer Verfassung, die möglichst alle Aspekte zu berücksichtigen hat.  Folglich sollte die Gesetztesgebung demokratisch erfolgen. Für die Umsetzung von konkreten Maßnahmen erachtet er die Mehrheit für zu anfällig hinsichtlich der eigenen Interessen. Hat er den Lobbyismus vorausgesehen bzw. hat der sich seit der Antike nicht verändert?

Arendt fordert in „Vita activa“ auf der Basis von Aristoteles eine Rückkehr (wie in der Schweiz) zu Volksbegehren und Streitkultur. Wenn die meisten Bürger nur zuschauen und mit einem Kreuz ihre Pflicht erfüllt zu haben glauben, kann keine echte Demokratie gedeihen. Der Aufbau totalitärer Systeme ist zum einen auf das Versagen und den Unwillen zu einer gelebten Demokratie zurückzuführen, zum anderen auf die Besetzung der strategisch wichtigen Medien, die für Ausgewogenheit und Pluralismus sorgen sollen, es häufig jedoch nicht können. Das unkonventionelle Denken Arendt wurde entweder missverstanden oder bewusst missbraucht für ideologische Plattformen. Arendt fordert von Philosophen (Denkern von Gewerbe) scharfes Beobachten, investigatives Hinterfragen der Entscheidungsträger und tägliches Einmischen in die geforderte „repräsentative Demokratie“. Was sie von allen Bürgern, besonders aber von Philosophen fordert, ist nicht nur unerwünscht, es ist geradezu suspekt geworden in heutiger „Pandemie“-Zeit, die an Kierkegaards „Krankheit zum Tode“ erinnert. Kollektivversagen einer Lämmer-Kultur. Ein Hyperaktionismus wie er jüngst zu beobachten ist, bleibt fatal. Angst ist kein Ratgeber, wobei genau genommen es sich um Furcht handelt, die Vernunft und nachhaltiges Handeln blockiert.

Sokrates unterscheidet in seiner Apologie, die auch den berühmten und so häufig missinterpretierten Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ enthält ( er artikuliert neben Skeptizismus eine Fragekultur und macht aus dem Zweifel die Pflicht der Verifizierung), die politische Streitkultur. Der Philosoph muss sich einmischen, also politisch entäußern, doch vor dem politischen Handeln und Gewissheiten, die als Wahrheiten verkündet werden, hüten. Er soll  Ämtern negieren soll, weil er nicht Teil des (korrumpierten) System werden darf. Seine arbiträre Position ist einem Schiedsrichter bei einem Mannschaftssport zweier Teams zu vergleichen: auf Fouls ist zu achten und unparteiisch zu entscheiden.

Sokrates´Tod wird durch seinem Schüler und letzten Zeugen Platon mystifiziert. Wir vergssen gerne, dass es Chronisten sind oder Übersetzer, die den antiken Weisen und Propheten Worte in den Mund legen. Ob Sokrates, von dem wir wissen, dass ihn eine demokratische Regierung ostrakisierte (verbannte), weil er unbequem war und in Widersprüche verwickelte, aus politischen Motiv heraus Suizid beging oder wie (angeblich auch in Stammheim im Fall der RAF) nachgeholfen wurde, lässt sich nach über 2500 Jahren nicht mehr eindeutig klären, jedenfalls nicht mit forensischen Mitteln. Platons Ideal zumindest blieb der von geistigen Elite (Oligarchie) regierte Philosophenstaat, weil er meinte, die Klügsten wären auch von moralischer Integrität. Er irrte wie später Marx über die conditio humana. Der Mensch bleibt primär Egoist. Seit Sokrates gehen jeenfalls Philosophen und Politiker meist getrennte Wege.

Kant pointiert die sokratische Haltung, die Haltung eines um die aufrechte Überprüfung von Meinung bis zum Stand des (niemals absoluten) Wissens in „Der ewige Frieden“: Moral ist mit Politik nicht vereinbar, auch wenn dies wünschbar erscheint. Politik muss Ergebnisse liefern (Erfolgsethik) und zwar für eine kleine Gruppe (bestenfalls eine Nation). Für globale Strategien une Gesinnungsehtik taugt sie nicht – bestenfalls handelt eine Regierung für die gegenwärtige Gesellschaft (Partikularinteressen der Majorität) zulässig, für die zukünftigen Lebensbedingungen kommender Gesellschaften jedoch nicht hinreichend angemessen. Mit demokratischer Mehrheitsbestimmung wählt man keine Gerechtigkeit, nicht einmal Rechtmäßigkeit (verwiesen sei auf den Prozess des Sokrates oder Eichmanns), ganz zu schweigen von Wahrheit. Kant drückt es vorsichtig aus, dass Philosophen, sofern sie zu politischen Akteuren werden, nicht mehr dem an sich Guten der Wahrheit „aus Pflichtgefühl“ dienen, sondern das Angemessene „pflichtgemäß“ verrichten und verwalten müssen, Die aber bleibt unvereinbar mit einer Ethik, die auf Gewinn oder Schadensbegrenzung einer bestimmten Teilmenge der Menschheit ausgelegt ist. Moral (Gewissen) und Ethik (Sittenlehre) sind durchaus nicht identisch. Allerdings konstatiert er bereits eine Leere in den Köpfen, die in der Metapher von Ebbe und Flut aufgegriffen wird, u. a. von Erich Kästner, der im Angesicht des kollektiven Versagens der Weimarer Republik (eine wacklige Demokratie) gegenüber den Faschismus das ironische Gedicht „Große Zeiten“ verfasste (https://www.deutschelyrik.de/große-zeiten-14429.html) mit der markanten Zeile: „Und Ebbe wird es im Gehirn der Klugen.“

Abschließend sei bemerkt, dass  in dieser Zusammenfassung, wie alle verknappten Wiedergaben, nur ein Aspekt herausgegriffen wurde. Dass Arendt Kant und Aristoteles verbindet, übrigens auch Nietzsche und Kierkegaard einbettet, vor Marx jedoch warnt, zeigt bereits, dass es ihr nicht um Lagerbildung geht. Kant war wie Aristoteles kein Freund der Demokratie, beide hielten zudem das Volk für nicht aufgeklärt, man darf auch sagen, klug und stabil genug, zu wichtigen Fragen kompetent Stellung zu beziehen. Sie unterscheiden sich nur hinsichtlich der Frage, ob der Philosoph politisch werden soll oder muss, was nur Aristoteles bejaht. Kant indes verneint Philosophie als prinzipiell (a priori) unvereinbar mit dem „politischen Geschäft“, schließlich handle er nicht mit Meinungen und relativiere nicht, indem er das eine gegen das andere ausspielt. Unterschiedlich ist auch die Gewichtung von Mittel und Zweck: bei Kant muss jeder Zweck durch sich selbst gerechtfertigt sein, kein Mittel dürfe gebraucht werden, das nicht langfristig und allgemein unbedenklich eingesetzt werden darf. Aristoteles ist da pragmatischer, zumal an der Evolution orientiert, wo so manches Mittel den Zweck heiligt.

Die Warnung vor Marx(ismus) beinhaltet nicht, dass Arendt diesen klugen Kopf nicht schätzt, doch zeige der, wie aus einer religiösen eine politische Demagogie reifen könne und eine Partei gleichfalls nur selektive Wahrnehmungen erlaube bzw. konditioniere. Tempo fugit, die Zeit rast. Es ist, als hätte Heine sein Gedicht „Die Esels-Partei“ (1848) gestern verfasst:

„So sprach der Patriot. Im Saal

Die Esel Beifall rufen.

Sie waren alle national,

Und stampften mit den Hufen.“


Anhang, Dossier KM – 5100/29 (von Söder in Auftrag gegeben, inzwischen aus den digitalen Medien verbannt)

„Das Krisenmanagement hat in der Vergangenheit (leider wider besseren institutionellen Wissens)keine adäquaten Instrumente zur Gefahrenanalyse und –bewertung aufgebaut. Die Lageberichte, in denen alle entscheidungsrelevanten Informationen zusammengefasst werden müssten, behandeln in der laufenden Krise bis heute nur einen kleinen Ausschnitt des drohenden Gefahrenspektrums. Auf der Basis unvollständiger und ungeeigneter Informationen in den Lagebildern ist eine Gefahreneinschätzung grundsätzlich nicht möglich. Ohne korrekt erhobene Gefahreneinschätzung kann es keine angemessene und wirksame Maßnahmenplanung geben. Das methodische Defizit wirkt sich bei jeder Transformation auf eine höhere Ebene aus; die Politik hatte bisher eine stark reduzierte Chance, die sachlich richtigen Entscheidungen zutreffen.

Die beobachtbaren Wirkungen und Auswirkungen von COVID-19 lassen keine ausreichende Evidenz dafür erkennen, dass es sich – bezogen auf die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft – um mehr als um einen Fehlalarm handelt. Durch den neuen Virus bestandvermutlich zu keinem Zeitpunkt eine über das Normalmaß hinausgehende Gefahr für die Bevölkerung (Vergleichsgröße ist das übliche Sterbegeschehen in DEU). Es sterben an Corona im Wesentlichen die Menschen, die statistisch dieses Jahr sterben, weil sie am Ende ihres Lebensangekommen sind und ihr geschwächter Körper sich beliebiger zufälliger Alltagsbelastungen nichtmehr erwehren kann (darunter der etwa 150 derzeit im Umlauf befindlichen Viren). Die Gefährlichkeit von Covid-19 wurde überschätzt. (innerhalb eines Vierteljahres weltweit nicht mehr als 250.000 Todesfälle mit Covid-19, gegenüber 1,5 Mio. Toten während der Influenzawelle 2017/18). Die Gefahr ist offenkundig nicht größer als die vieler anderer Viren. Wir haben es aller Voraussicht nach mit einem über längere Zeit unerkannt gebliebenen globalen Fehlalarm zu tun. Dieses Analyseergebnis ist von KM 4 auf wissenschaftliche Plausibilität überprüft worden, im Wesentlichen entspricht es nicht den vom RKI vorgelegten Daten und Risikobewertungen.

Dass der mutmaßliche Fehlalarm über Wochen unentdeckt blieb, hat einen wesentlichen Grunddarin, dass die geltenden Rahmenvorgaben zum Handeln des Krisenstabs und des Krisenmanagement in einer Pandemie keine geeigneten Detektionsinstrumente enthalten, die automatisch einen Alarm auslösen und den sofortigen Abbruch von Maßnahmen einleiten würden, sobald sich entweder eine Pandemiewarnung als Fehlalarm herausstellte oderabzusehen ist, dass die Kollateralschäden – und darunter insbesondere die Menschenleben vernichtenden Anteile – größer zu werden drohen, als das gesundheitliche und insbesondere das tödliche Potential der betrachteten Erkrankung ausmacht.

Der Kollateralschaden ist inzwischen höher ist als der erkennbare Nutzen. Dieser Feststellungliegt keine Gegenüberstellung von materiellen Schäden mit Personenschäden (Menschenleben) zu Grunde! Alleine ein Vergleich von bisherigen Todesfällen durch den Virus mit Todesfällen durch die staatlich verfügten Schutzmaßnahmen (beides ohne sichere Datenbasis) belegen den Befund. Eine von Wissenschaftlern auf Plausibilität überprüfte überblicksartige Zusammenstellung gesundheitlichen Kollateralschäden (incl. Todesfälle) ist unten angefügt.

Aufgabe und Ziel von Krisenstäben und jeglichem Krisenmanagement ist es, besondere Gefahren zu erkennen und sie so lange zu bekämpfen, bis der Normalzustand wieder erreicht ist. Ein Normalzustand kann also keine Krise sein. Der (völlig zweckfreie) Kollateralschaden der Coronakrise ist zwischenzeitlich gigantisch. Ein großer Teil dieses Schadens wird sich sogar erst in der näheren und ferneren Zukunft manifestieren. Dies kann nicht mehr verhindert, sondern nur noch begrenzt werden.

Kritische Infrastrukturen sind die überlebensnotwendigen Lebensadern moderner Gesellschaften. Bei den Kritischen Infrastrukturen ist in Folge der Schutzmaßnahmen die aktuelle Versorgungssicherheit nicht mehr wie gewohnt gegeben (bisher graduelle Reduktion der prinzipiellen Versorgungssicherheit, die sich z.B. in kommenden Belastungssituationen niederschlagen kann). Die Resilienz des hochkomplexen und stark interdependenten Gesamtsystems Kritischer Infrastrukturen ist gesunken. Unsere Gesellschaft lebt ab sofort mit einer gestiegenen Verletzlichkeit und höheren Ausfallrisiken von lebenswichtigen Infrastrukturen.

Das kann fatale Folgen haben, falls auf dem inzwischen reduzierten Resilienzniveau von KRITIS eine wirklich gefährliche Pandemie oder eine andere Bedrohung eintreten würde. UN-Generalsekretär António Guterres sprach vor vier Wochen ein grundlegendes Risiko an. Guterres sagte (laut einem Tagesschaubericht vom 10.4.2020): „Die Schwächen und mangelhafte Vorbereitung, die durch diese Pandemie offengelegt wurden, geben Einblicke darin, wie ein bioterroristischer Angriff aussehen könnte – und [diese Schwächen] erhöhen möglicherweise das Risiko dafür.“ Nach unseren Analysen ist ein gravierender Mangel in DEU das Fehlen eines adäquaten Gefahrenanalyse und bewertungssystem in Krisensituationen (s.o.).

Die staatlich angeordneten Schutzmaßnahmen, sowie die vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten und Initiativen, die als ursprüngliche Schutzmaßnahmen den Kollateralschadenbewirken, aber inzwischen jeden Sinn verloren haben, sind größtenteils immer noch in Kraft. Es wird dringend empfohlen, sie kurzfristig vollständig aufzuheben, um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden – insbesondere unnötige zusätzliche Todesfälle – , und um die möglicherweise prekär werdende Lage bei den Kritischen Infrastrukturen zu stabilisieren.

Die Defizite und Fehlleistungen im Krisenmanagement haben in der Konsequenz zu einer Vermittlung von nicht stichhaltigen Informationen geführt und damit eine Desinformation der Bevölkerung ausgelöst. Ein Vorwurf könnte lauten: Der Staat hat sich in der Coronakrise als einer der größten fake-news-Produzenten erwiesen.“

Die Erben des Sisyphos: Evolution, Wahrheit und Mythos

Was haben SarsCoV2 und Sisyphos, was die Nobelpreisträger Camus und Monod, was der russische Agrargenforscher Lyssenko und der bevorstehende Parlamentsbeschluss von Ausnahmegesetzen gemein? Wie verbinden sich die Gesetze der Evolution mit Zufall und Notwendigkeit und Virologie mit Politik?

Tizians Bild steht mir vor Augen. Am Anfang steht eigentlich nicht Sisyphos, sondern die Gier nach Leben. Jeder meint ihn zu kennen, den Mensch, der leidet, der unaufhaltsam Steine schleppt, der seinem Schicksal trotzt und dafür bestraft wird, der den Göttern Widerstand entgegenbringt und für seine Hybris büßt. Im Menschen scheinen Furcht und Strafe gut und in Wechselbeziehung verankert, anders kann man die grandiose Zustimmung von Mehrheiten zu offenkundigem Machtmissbrauch und die Akzeptanz von Diktatoren kaum deuten. Ertragen müssen wir sie doch, die Klugen die Dummen, die Reichen die aufsässigen Armen, das Volk ihre Herrscher, denen es laut Umfragen bereitwillig und nicht nur freiwillig folgt. Die Stigmatisierung erfährt der Aufbegehrende, Sisyphos eben.  Wir sind auch im Zeitalter der Aufklärung und der Mulitmedia zu passiven stummen Zeugen mutiert, handlungs- und denkohnmächtig, haben dem Mythos mehr Macht als der Wahrheit (präziser den Wahrheiten) gestattet. Sisyphos schleppt Steine, wir tragen Masken, beides symbolisch, allegorisch, mythisch. Genau genommen geht es um Mutation von Wahrheiten.

Vorgeschichte: Mythos

Kaum einer betrachtet den Mythos genauer. Er beginnt 1400 v. C. Übrigens eine Epoche der Pest, doch dies tut nichts zur Sache. Wir schauen auf ein Sternenbild, die Plejaden, das Siebengestirn. Sieben Schwestern sind es, eine davon heißt Merope. Sie ist die Tochter von Atlas, dem Titan, der trägt die Welt auf seinen Schultern, wo die Sonne untergeht, tief im Westen, wo auch das Reich des Thanatos ist, er wohnt also Tür an Tür mit dem Tod.  Es ist die Geschichte des Patriarchats und seines Untergangs. Genau genommen stammt auch Meropes Vater von den Titanen ab, diese von Uranos, der mit seiner Mutter Gaia schlief. Als Himmel und Erde sich in einem ersten inzestuösen Verhältnis vereinigten und das Meer zeugten, geschah Unrecht, denn Uranos sperrte alle Kinder, die er mit seiner Mutter zeugte fort, bis einer sich getraute, ihn zu entmannen (Kastrationsmythos) und in diesem ödipalen Konflikt die Zeit (Chronos) obsiegte. Kronos war der neue Herrscher, bis auch er einen Sohn zeugte, der ihn tötete oder zumindest entthronte, so will es der Lauf des Schicksals, den manche Evolution heißen.

In Sisyphos´ Zeit fällt der Kampf zwischen Göttern und Menschen, der recht ungleich und dessen Ausgang vorbestimmt ist. Sisyphos ist ein wenig schlauer als die anderen, schon sein Vater, der thessalische König Aiolos war es, nicht umsonst ist nach seinem Namen der Windgott benannt, der listig die Richtung zu ändern weiß, wenn es ihm nützt. Aiolos hat sieben Söhne, genau wie Uranos und Kronos vor ihm, sieben ist eine wichtige, ja mystische und mythische Zahl, auch im Christentum, wo sie nicht nur für die sieben Todsünden und die Genesis der Sieben Tage Schöpfung steht,  sondern auch in der Evolution, da ein Zellzyklus in sieben Jahren komplett abgeschlossen ist. Es bestehen folglich Analogien zwischen Mythos und Wissenschaft, die, wie Demokrit aufzeigt, durchaus noch nicht getrennte Wege gehen, auch die Religion ist zu dieser Zeit noch nicht emanzipiert, sondern ein integraler Teil des Ganzen.

Sisyphos ist schlau. Nicht nur, dass er das Prinzip der Promiskuität erfüllt, das nachweislich besser für die Verbreitung von Erbgut taugt als die wesentlich jüngere (kulturelle) als auch physische (biologische)  Evolution der Monogamie. Um seine vielen Frauengeschichten nicht zu verwirren, bleiben wir bei seiner Gemahlin Merope. Eine seiner Eskapaden führt ihn  zur Antikleia, die ihm Odysseus gebärt, den Adorno als den homo oeconomicus bezeichnet, der Triumph der als Vernunft getarnten List des Nutzens über den moralischen Makel. Sisyphos, so lehrt der Mythos, setzt folglich durch List und Lüge bereits Herrschaft und verändertes Erbgut in Umlauf.

Wie kommt es zum Betrug durch Beischlaf mit der künftigen Königstochter? Als der schlauste Dieb Autolykos, Sohn des Götterboten Hermes, seine Schafe stiehlt, markiert er seine Herde, so wie man heute Peilsender oder digitale trojanische Viren aussendet, um den Feind auszuspionieren. Mit dieser, zugegeben archaischen, List vermag Sisyphos den Dieb zu stellen und seine Tochter verführen, eben Antikleia. Weil schon in der Antike, also auch auf den Peloponnes, Kapital und Diebstahl gut miteinander harmonierten, gelingt es dem durch Diebstahl zu Reichtum gekommenen Dieb, seine schwangere Tochter meistbietend mit den lokalen König von Thessalien zu vermählen. Geld heiratet eben Geld, damals schon und fort war Antkleia mit Odysseus in ihrem Leib.

Sisyphos kehrt zurück zu Merope (dem eigentlichen Schaf, das blind sein will) und auf dem Weg sieht er, wie Schwerenöter und Göttervater Zeus die keusche Aigina entführt auf dem Korinthischen Isthmus (besser bekannt als Golf von Korinth). Er verrät es dem aufgebrachten Vater, der zwar nicht die Jungfräulichkeit seiner Tochter zu verhindern, diese aber von der nach ihr benannten Insel zurückzuholen weiß. Mit seiner errungenen Gunst will Sisyphos nun den eigenen Bruder Salmoneus töten, um König von Elis zu werden und nicht nur von Korinth zu bleiben. Zeus in Rage, verhindert dies, aber nicht aus Sympathie zu dem Rivalen, denn diesen tötet er selbst, weil Salmoneus allzu offensichtlich wie ein Gott gebärt und nach den Sternen greift. Wie Machiavelli treffend sagt: Willst du herrschen, musst du töten lernen. Wörtlich heißt es in „Il principe“: „Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen.“ Der Philosoph spricht vom Gesetz der Anpassung und nimmt damit den Manchester-Liberalismus vorweg, den vielen als Raubtierkapitalismus ein Begriff ist. Auch wenn es den weder in der Renaissance noch in der Antike gab, so wirkt das archaische Prinzip offenkundig, wie der Plan der Evolution (sofern es einer ist, sich selbst zu erhalten und zu vermehren) dokumentiert.

Zeus, über den Verrat und menschliches Verhalten zur Eigenmacht empört, führt den Renitenten Thanatos zu. Zweimal schafft es dieser Mensch, wie nach ihm Herakles, Odysseus und vor allem Orpheus, den Tod zu überlisten, aber nur er kann Thanatos im tiefesten Schlund des Todesreiches Hades von der Schippe springen. Einmal betäubt er seinen Wärter mit Wein, einmal durch Hypnose. Denn Thantaos ist der gnädige Tod, der beispielsweise Krieger auf dem Schlachtfeld heimführt (in Germanien Walhalla) er ist ganz und gar nicht gewalttätig wie seine Schwester Ker; er ist nicht der Schlaf (das Unbewusste) wie Hypnos und auch nicht der Traum Morpheus, seine beiden Brüdern. Er wohnt am Eingang des Tartaros, der Unterwelt und wird daher nicht selten mit dem Unbewussten und Unbekannten gleichgesetzt, vor dem sich Erkennen und Bewusstsein fürchten.

Die einen setzen ihn mit Chaos gleich, die anderen halten Thanatos für einen Sohn desselben mit Gaia, alt ist er in jedem Fall, älter als die herrschenden Götter wie Zeus. In Platons Dialog „Gorgias“ belehrt Sokrates seinen Widerredner, der das Gesetz der Stärkeren vertritt, über das Gesetz der Redlichen, also der Guten und der Wahrheit Dienenenden; es sei stärker und verhindere eine ungerechte Bestrafung, für die Thanatos zuständig sei. Sagen wir also, er ist der gute, gnädige, vielleicht sogar der Gerechtigkeit übende Tod. Vielleicht ahnten die Hellenen, dass der Tod nicht immer gerecht und die Götter nicht immer ethisch handeln, da sie ihrer eigenen Moral folgen, die der Mensch nicht kennt, aber in sich trägt wie einen Virus, der zur Mutation und dann zum Ausbruch gelangt, wenn die äußeren Bedingungen sich ändern. Man muss wie im Fall von Sars 2013 seine Vorgeschichte, die von Sars 2002 kennen. Familienaufstellung, bezogen auf Virologie. Der Vorgängervirus von Corona forderte „nur“ 774 Tote, vornehmlich in China, verlief epidemisch und nicht pandemisch.

Sisyphos überlistet den Tod, doch der Fluch des Blutes – heute würde man vielleicht der Gene dazu sagen – ist stärker. Immerhin stammt er in weiter Vorzeit von Ino ab, deren Schicksal es ist, Schwester der Semele zu sein, jener irdischen Schönheit, die Zeus verwirrt und ihm, nachdem er sie verführt hat, Dionysos, den Gott der Schmerzen und des Rausches, aber auch des Wahns, gebiert. Nachdem Semele durch die List der eifersüchtigen Gattin des Zeus Hera, vom Blitz getroffen worden ist und Zeus das Kind (seine Schenkelgeburt antizipiert Zangengeburt und Kaiserschnitt) zur Welt gebracht hat, sichert Ino als Amme für das Überleben des Kindes, dass es flüchten und den Zorn Heras entkommen kann. Inos Schicksal: sie wird mit Wahn gestraft, tötet ihr leibliches Kind und springt, als sie es erkennt, mit dem Toten ins Meer, natürlich am Golf von Isthmus. Geschichte wiederholt sich. Unbestimmte Zeit später erblickt ihr Nachfahre Sisyphos den Raub der Menschentochter durch Zeus, der sich partout nicht moralisieren lassen will. Jede Autorität versteht es, das Recht auf seine Seite zu ziehen, vor allem, wenn Gewaltenteilung noch ein Stolperstein ist.

Nach seinem ersten Entkommen aus dem Reich des Todes gibt Sisyphos  der Gemahlin Merope den Auftrag, ihn nicht zu begraben, was dazu führt, dass Thanatos den Unbestatteten wieder auf die Erde entlassen muss, die Bestrafung muss erneut vertagt werden, weil der Tod bereits nicht mehr allmächtig ist. Sisyphos, der Ahn des Odysseus, dessen List gleichfalls mit Schafen die Herrschaft der Titanen bricht, beginnt das Leben in vollen Zügen zu genießen, ja er spottet der Götter. Das muss sich rächen und so stirbt er am Ende nie, sondern muss leiden, lebenslang wie die postmoderne Gesellschaft, deren Gier nach Leben sich überlebt hat. Die Geschichte vom Sündenfall ist alt, sie kommt auch im Christentum vor und handelt vom Essen der verbotenen Früchte. Tantalos, gleichfalls ein Sohn des Zeus, wenn man so will, Gottes Adam, wurde gleichfalls übermütig und musste ewig Hunger oder Durst erleiden, weil ihm, immer wenn er der Erlösung (der Stillung seiner Begierden) nahekam, die Frucht des Lebens entrissen wurde. Geschichten über Strafe beginnen immer mit einer imaginären Schuld und diese mit dem Herausfall aus dem Stadium der Unwissenheit. Die gesamte Genesis, nicht nur die biblische, basiert auf Erkenntnis und Missbrauch der selbigen. Immer gab es Gesetze, die Unrecht legitimierten.

Heute: Wahrheit

Erkennen. Annehmen. Revolte. So hat es Camus formuliert, Schnellfeuergewehr eines überzeugten Pazifisten. Wir folgen der absurden Logik anstelle der Logik des Absurden. So die Abbreviatur seiner Philosophie. Bezogen auf Sisyphos: Wir müssen uns ihn als einen glücklichen Menschen vorstellen. Das erlaubt drei Sichtweisen. Erstens: der Mensch, der dienen darf, eine Aufgabe hat und leiden kann, ist glücklich. Könnte so sein, wenn man den Gehorsam und die Bereitwilligkeit mancher Menschen im Kreislauf des homo oeconomicus in Augenschein nimmt. Zweitens: Wir sollten daran glauben, dass er glücklich ist und ein happy end sich nur unserer Vorstellung(skraft) entzieht. Könnte so sein, wenn man den Optimismus eines „Yes we can“ und dem Gerede „Wir schaffen das“ Folge leistet. Schon Blochs Prinzip Hoffnung sah sich verkürzt auf die Maxime: „Unsere Enkel fechten´s besser aus.“  Drittens: das Glück könnte in der kurzweiligen Befreiung (oder Vorstellung) von einem als Ist-Zustand empfundenen Soll Werden Prinzip bestehen. Anders ausgedrückt: es ist ein Glück der Revolte, des Aufbegehrens, nicht des Habens. Es ist ein Glück des Kampfes, nicht des Krieges und ein Glück  der Solidarität mit dem Leben anstelle des reinen Ich überlebe egal wie  – Instinkts.

Keine Macht der Furcht vor dem Tod oder Todesszenarien, gebraucht eine List wie Sisyphos, der zweimal dem Tod von der Schippe sprang, weil er Eros dem Thanatos vorzog. Sagt Ja zum Leben und Nein zum Verzicht darauf. Leicht missbrauchbar, wenn es interpretiert wird als verantwortungslos. Das Gegenteil ist gemeint. Schaut auf die Entwicklung, das Gesetz des Lebens, des Schicksals der Evolution und dem des Wandels.

Jaques Lucien Monod, Mikrobiologe, Nobelpreisträger, Hugenotte, lernt Camus als Mitglied der Résistance kennen. Überzeugt von der Konvergenz der Biologie mit der Philosophie, der Natur- mit der Geisteswissenschaft, schreibt er in „Zufall und Notwendigkeit. Philosophische Fragen der Biologie“ (deutsch 1971), dass die Welt des dialektischen Materialismus auf Demokrit (der nicht der Begründer der Demokratie ist, sondern der atomisierten Welt), basiert. Auch Karl Marx promovierte über Demokrit, der postuliert: „Alles, was existiert, hängt von Zufall oder Notwendigkeit ab. Zwischen diesen beiden Prinzipien ist nichts.“  Früher glaubte man, Atome bildeten die kleinsten unzerteilbaren Bestandteile des Lebens. Bis heute erfährt die Elementarkultur eine grandiose Zerstückelung in Minaturisierungs-Parzellen; selbst die Zelle und die Proteine sind Makrosturktur. Vergleichbar ist der Handel, parzelliert in Teilmärkte bis hin zum Bitcom. Vergleichbar sind die Gesetze: kam Moses noch mit zehn vom Berg, zudem auf Tafel geschrieben, sind es heute unzählige Bücher, Paragraphen und nicht einmal gedruckt, ein Palimpsest, die durch Schaben, Waschen oder Reiben wieder leserlich gemacht werden könnte. Spezialisierte Spezialisten kümmern sich darum, die Minuskel lesbar zu gestalten, Übersetzer gestalten sie dann legal, das von letal nur durch einen Buchstaben getrennt wird. Wir sterben uns zu Tode.

Monods Verdienst liegt darin, diese in der Philosophie (z.B. Hegels, den Marx invertiert) angewandten Prinzipien auf die Biologie zu transformieren: Zufall ist nun in evolutionärer Sprache Mutation, Notwendigkeit Selektion. Dabei unterscheidet er die physische Ordnung, in der durchaus Zufall (Chaos) herrscht, die selbst Darwins Gesetz nicht grundsätzlich in Abrede stellt, und die kulturelle Ordnung  (logos), die auf Eingriff und damit auf Selektion beruht. Nun könnte man glauben, der Zufall, die Natur als Mechanismus einem blinden Uhrmacher zu vergleichen (wie es Evolutionsbiologe Richard Dawkins 1987 unternimmt) generiere mehr Schaden (interpretiert als Katastrophen) als ein gewollter, steuerbarer Prozess. Die Utliatristen scheinen zu triumphieren. Dies gilt jedoch nur, wenn Intelligenz (eine Form der Mutation) sich als Vorteil für  das gesamte System und nicht nur eine Nische (homo oeconomicus) erweist.

Wissenschaft heißt Wahrheiten hinterfragen

Man könnte glauben, das Milieu entscheide, welche Mutationen erfolgreich sind und welche nicht, doch wenn Anpassung (Assimilation) das biologische Milieu verdrängt (als Sekundärsubstanz), dann kann die Entropie, die Vermischung, Transformation und Energieerhaltung nicht mehr wirken. Das System entgleitet, schlägt zurück, wendet sich gegen den Wirt (Mensch): unter unnatürlichen Lebensbedingungen können auch die natürlichen Mechanismen nicht mehr greifen. Dann kommt es zur Panik oder zu gesetzlich angeordneten Notstandsverordnungen; legitim, legal und letal sind Synonyme geworden. Sisyphos kann nachträglich der Prozess gemacht werden.

Monod erhielt für seine mikro-biologischen Erkenntnisse den Nobelpreis. Er tritt für die Wahrheit, daher für die Skepsis, ein – und bezieht sich auf den griechischen Helden des Widerstands. Bezogen auf die Virologie heißt das, es gibt zwei Arten von Viren, die bekanntermaßen älter als Bakterien und damit auch älter als Leben sind; Bakterien sind eine von drei Lebensformen, die selbständig generieren, was der Virus (noch) nicht kann . Es gibt die genetisch hochvariable Mutation, die wie im Fall von Sars sich laufend verändert (insofern kann es keinen dauerhaften Impfstoff geben, weil sich Sars CoV 2 rasch zu 3 und 4 transformieren wird) und es gibt Viren, die durch den externen Einfluss verändert werden. Natürlich sprach Monod nicht von Corona, er sprach von Viren generell. Natürlich sprach er nicht von Panik und Epidemie, sondern von wiederkehrenden Mutationen, die mitunter für eine Generation gefährlich und schädlich sind, aber langfristig für ein natürliches biologisches Gleichgewicht sorgen. Er sprach und schrieb ähnlich wie Camus von Naturgesetzen, die nicht der Wirtschaft oder dem politischen Selbsterhaltungstrieb folgen. Er sprach von Sisyphos als Verkörperung der Renitenz analog eines Virus, der sich notfalls listreich verwandelt, verstellt, so dass er nicht erkannt wird und überlebt, sofern ein Virus, der ja nicht lebendig ist, diese Sprache überhaupt erlaubt.

Wer würde bezweifeln, dass unsere Welt durch z.B. Feinstaub, Pestizid und Klimaveränderung heute ein anderes Mikroklima besitzt als vor der industriellen Zeit, ja vor des Menschen Eingriff überhaupt? Die Invasion an Chemie und unwillentlich frei gesetzen, teilweise auch bewusst erzeugten toxischen Stoffen hat eine vielleicht nie genau feststellbare und schon gar nicht monokausal (monotheistisch) rückführbare Fehlerkette (pardon Eiweißkette) nach sich gezogen, doch die Mutation von Nukleinsäuren und Proteinen, die Veränderung von DNA und vordem RNA (diese geht der DNA immer voraus) kann niemand in Frage stellen, der über gesunden Menschenverstand verfügt. Menschen, die Gottes Schöpfungsplan aus der Bibel ablesen ausgenommen, die mögen von gewollter und planvoller Selektion sprechen und in der Natur ein unabänderlich vorprogrammiertes Uhrwerk sehen, das vielleicht auch nicht die fünf vor Zwölf – Zeigerstellung kennt.

Ohne in die Feinheiten des Feinstaubs einzusteigen, über die sich streng genommen nicht einmal die Virologen bzw. Mikrobiologen einig sind, gilt die Feststellung: Zellwachstum ist abhängig vom Milieu (Umwelteinflüsse), weshalb es Mutationen geben wird und muss; das hat Demokrit bereits erkannt, ohne die Welt unter das Mikroskop legen zu können. Marx hat aus ihm geschlossen, dass die kleinsten Einheiten die größten Veränderungen vornehmen und gehofft, dass Bürger den Staat bzw. die Staatsform bestimmen. Monod hat für die Enzymforschung abgeleitet, dass nicht nur Proteine Leben erzeugen, sondern bereits die Viren universelle Bausteine des Lebens sind, ohne selbst Zellen zu besitzen, folglich die Funktion von Aminosäureketten bereits beherrschen. Bakterien sind zellkernlos, doch selbsterzeugter Teil des menschlichen Organismus mit seinem Zellkern, für den die Evolution eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hat, Viren sind archaischer Schleim, der infektiös von außen, also dem Milieu, zugeführt wird (mal tröpfchenweise eingeatmet bzw. ausgespuckt, mal in anderer Form verabreicht): sie haben keinen Stoffwechsel und deshalb auch kein eigenständiges Leben, keine Energieerzeugung, keine Proteine, dafür bedürfen sie einen Wirt, notfalls den Menschen.

Das Wissen über Viren ist wie im Grunde jede Wahrheit weder abgeschlossen noch absolut, es ist offen (wie eine offene Gesellschaft) und nicht persistierend, sondern hat eine rasend kurze Haltbarkeit. Was aber kolportiert wird ist: es gibt ein Virus X und ein Mittel Y und eine Wirkung Z; eine Gleichung mit im Grunde drei Unbekannten, so Monod. Für diese Erkenntnis erhielt er einen Nobelpreis, etwa zu der Zeit, als ich geboren wurde. Heute scheint sich das unerfreuliche Zweckbündnis aus Politik, Wissenschaft und Schweige- oder Zustimmungsspirale gegen ihn auszusprechen. Es verfährt, als lasse sich einem Virus durch Verordnungen beikommen, als wüssten wir bereits, wie er wirkt, als wäre unser Milchstraßensystem in Stein gegossen, nichts in Bewegung, nichts zufällig, alles notwendig und in der Not liegt auch der Fall (begraben). Dabei ist selbst der Blick in den Sternenhimmel trügerisch, weil zeitversetzt. Vielleicht besaßen die Plejaden mehr Geschwister und vielleicht schleppt Sisyphos gar keine Steine, sondern Kohlköpfe. Intelligenz, so Monod, könnte sich evolutionär als Nachteil erweisen.

Sisyphos bleibt immer unterwegs, dieser Nomade des Wissens, der keine Wahrheiten duldet, keine Ewigkeiten kennt und damit den Göttern trotzt oder sie leugnet. Die Revolte endet nie. Auf den Terror der Deutschen folgte der der Russen und auf den anderer, wie ein Virus. Monot brach mit der Partei, als sich herausstellte, dass die Wissenschaft mit den Mächtigen paktierte und nicht Wissen, sondern Mythen vorantrieb. Ein gewisser stalintreuer Lyssenko (er starb wie Monod 1976) postulierte, Gene sind die Folgen der Umwelt und damit Intelligenz eine Frage der politischen Kultur. Seine falschen Thesen wurden getragen, weil die Wissenschaftler nicht wagten, den Günstling Stalins zu widersprechen, wider besseren Wissens wiederlegten sie ihn nicht. Lyssenkos Methoden führten unter staatlicher Duldung zum Niedergang der russischen Agrarkultur; seine Pseudo-Wissenschaft, die nicht überprüfen und Hypothesen nicht verifizieren wollte, führte zu Missernten, Hunger und sogar Seuchen. Sie wurden Verschwörern und Saboteuren zugeschrieben, der Bock zum Gärtner gemacht. Lyssenko ist kein russisches Phänomen, warnte Monod.  In seinem Buch „Le hasard etla nécessité“,  das zwischen Philosophie und Biologie oszilliert, schreibt er über Sisyphos: „Es ist an ihm, zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen der Wahrheit und dem Mythoszu wählen.“

Monod ist ein Vertreter der Dysgenetik, die gerne mit Eugenetik und diese mit dem Dritten Reich und Rassenhygiene verwechselt oder in einem Atemzug genannt wird. Nachdem uns der Fortschrittsmythos jahrhundertelang suggerierte (auch, weil der Mensch es sich hat einreden lassen wollen), dass nur das gute oder zumindest systemisch angepasste Erbgut überlebt, war er einer der ersten, die, ausgehend von der Dialektik des historischen Materialismus auch einen schädigenden Einfluss auf die Evolution voraussahen oder besser zur Kenntnis nahmen. Philosophisch konvergiert dies mit Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in der Platon und Hegel als Vordenker des Totalitarismus und auch Marx´ als Wegbereiter einer fehlgeleiteten Ideologie angegriffen werden, vor allem weil sie ewige Wahrheiten beanspruchen. Auch sie vertraten das Recht, Gesetze notfalls über Nacht zu ändern. Alle wähnten sie das Recht auf ihrer Seite, wie Machiavelli es ihnen bot: Systemkonformität.

Ein Fakt ist unwiderlegbar: Es überleben im Gegensatz zur Natur, der sich der Mensch nicht nur entfremdet, sondern auch weitgehend entzogen hat, auch die Schwachen, besonders im Krieg, es überleben die Kranken und vielleicht sogar Degenerierten bei der Unterlassung von eugenetischen Maßnahmen. Diese sollen nicht gerechtfertigt werden, eine Diskussion erscheint angesichts der Vorbelastung und des erfolgten politisch ideologischen Missbrauchs deplatziert, doch biologisch ist offenkundig, dass sich die Natur um Moral oder Ethik nicht kümmert. Wie es Max Frisch so treffend formuliert: „Die Natur kennt keine Katastrophen, einzig der Mensch (der sie erzeugt), sofern er sie überlebt, kennt die Katastrophe“.  Konrad Lorenz sprach von der schädigenden Wirkung auf unser Erbgut durch permanente Domestizierung und Zivilisierung, er nannte den Prozess in „Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung“ die „Verhaustierung“ Gemeint ist: der Mensch schwächt sein Immunsystem, einerseits, indem er sich nicht abhärtet und andererseits durch Veränderung seines natürlichen Milieus.

Der Virus lenkt die Aufmerksamkeit ab vom Großen und Ganzen, von essentiellen Problemen und möglichen Ursachen. Feinstaubbelastung der Umwelt greift in die Natur ein in die natürliche Balance, z. B. durch elektromagnetische Strahlung, verändern Erbgut, also Proteinketten. Dass Krankheiten wie Krebs auch durch Umweltbelastung wie Glyphosphat, das auch nach Bekanntgabe alarmierender Werte massenweise in der Agrarindustrie Einsatz findet oder Smogbildung in den Großstädten durch ein Übermaß an Verkehr begünstigt wird, kann der gesunde Menschenverstand nicht in Frage stellen. Zunächst starben aber nur die Bienen, also schwiegen wir. Wissenschaft hat hier durch Gutachten und Fallstudien auch Glaubwürdigkeit, ethisch wie methodisch, verspielt. Alles ist beweis- und dokumentierbar, sofern eine dementsprechende Frage- und Versuchsanord-nung es so will. Skalierte Daten sind durchaus nicht so neutral und empirisch wie sie scheinen. Kein Mythos ist hartnäckiger als der von der Objektivität. Sisyphos aber steht für den permanenten Kampf der Wissenschaft, ein Ringen, nicht ein Töten  mit dem und nicht gegen das Wissen und für die Wahrheit, notfalls auch durch eine List. Er höhnt den Göttern, die verabsolutieren und Gesetze erlassen, die ihr Handeln rechtfertigt und das der anderen stigmatisiert. Der Renitent duldet den Missbrauch nicht, der sich unweigerlich und immer von neuem stellt. Er rollt den Stein des Weisen.

Zurück zu Sisyphos am Ende des Steins. Gib niemals auf, lautet seine Botschaft. In Erich Frieds Gedicht heißt es:  „Was bleibt? Nichts als die Qual seine Qual überlebt zu haben.“

Erich Fried, Vorahnung des Endsiegs                                                           

Sisyphos

staubig

und satt

vom Mehl

seines Steines

hat Angst:

Der Stein

nützt sich ab

Die Sinnlosigkeit

der ewige

verfluchte

Sinn seiner Arbeit

selber

vom Fluch geschlagen

Kleiner

dem schwindenden Stein gleich

das Mitleid der Schatten

das ihm Kraft

zur Ohnmacht gegeben hat

Bald rollt nur

ein Kiesel

am geschundenen Steilhang

Was bleibt?

Nichts als die Qual

seine Qual

überlebt zu haben

Erich Fried

Was haben SarsCoV2 und Sisyphos, was die Nobelpreisträger Camus und Monod, was der russische Agrargenforscher Lyssenko und der bevorstehende Parlamentsbeschluss von Ausnahmegesetzen gemein? Wie verbinden sich die Gesetze der Evolution mit Zufall und Notwendigkeit und Virologie mit Politik?

Tizians Bild steht mir vor Augen. Am Anfang steht eigentlich nicht Sisyphos, sondern die Gier nach Leben. Jeder meint ihn zu kennen, den Mensch, der leidet, der unaufhaltsam Steine schleppt, der seinem Schicksal trotzt und dafür bestraft wird, der den Göttern Widerstand entgegenbringt und für seine Hybris büßt. Im Menschen scheinen Furcht und Strafe gut und in Wechselbeziehung verankert, anders kann man die grandiose Zustimmung von Mehrheiten zu offenkundigem Machtmissbrauch und die Akzeptanz von Diktatoren kaum deuten. Ertragen müssen wir sie doch, die Klugen die Dummen, die Reichen die aufsässigen Armen, das Volk ihre Herrscher, denen es laut Umfragen bereitwillig und nicht nur freiwillig folgt. Die Stigmatisierung erfährt der Aufbegehrende, Sisyphos eben.  Wir sind auch im Zeitalter der Aufklärung und der Mulitmedia zu passiven stummen Zeugen mutiert, handlungs- und denkohnmächtig, haben dem Mythos mehr Macht als der Wahrheit (präziser den Wahrheiten) gestattet. Sisyphos schleppt Steine, wir tragen Masken, beides symbolisch, allegorisch, mythisch. Genau genommen geht es um Mutation von Wahrheiten.

Kaum einer betrachtet den Mythos genauer. Er beginnt 1400 v. C. Übrigens eine Epoche der Pest, doch dies tut nichts zur Sache. Wir schauen auf ein Sternenbild, die Plejaden, das Siebengestirn. Sieben Schwestern sind es, eine davon heißt Merope. Sie ist die Tochter von Atlas, dem Titan, der trägt die Welt auf seinen Schultern, wo die Sonne untergeht, tief im Westen, wo auch das Reich des Thanatos ist, er wohnt also Tür an Tür mit dem Tod.  Es ist die Geschichte des Patriarchats und seines Untergangs. Genau genommen stammt auch Meropes Vater von den Titanen ab, diese von Uranos, der mit seiner Mutter Gaia schlief. Als Himmel und Erde sich in einem ersten inzestuösen Verhältnis vereinigten und das Meer zeugten, geschah Unrecht, denn Uranos sperrte alle Kinder, die er mit seiner Mutter zeugte fort, bis einer sich getraute, ihn zu entmannen (Kastrationsmythos) und in diesem ödipalen Konflikt die Zeit (Chronos) obsiegte. Kronos war der neue Herrscher, bis auch er einen Sohn zeugte, der ihn tötete oder zumindest entthronte, so will es der Lauf des Schicksals, den manche Evolution heißen.

In Sisyphos´ Zeit fällt der Kampf zwischen Göttern und Menschen, der recht ungleich und dessen Ausgang vorbestimmt ist. Sisyphos ist ein wenig schlauer als die anderen, schon sein Vater, der thessalische König Aiolos war es, nicht umsonst ist nach seinem Namen der Windgott benannt, der listig die Richtung zu ändern weiß, wenn es ihm nützt. Aiolos hat sieben Söhne, genau wie Uranos und Kronos vor ihm, sieben ist eine wichtige, ja mystische und mythische Zahl, auch im Christentum, wo sie nicht nur für die sieben Todsünden und die Genesis der Sieben Tage Schöpfung steht,  sondern auch in der Evolution, da ein Zellzyklus in sieben Jahren komplett abgeschlossen ist. Es bestehen folglich Analogien zwischen Mythos und Wissenschaft, die, wie Demokrit aufzeigt, durchaus noch nicht getrennte Wege gehen, auch die Religion ist zu dieser Zeit noch nicht emanzipiert, sondern ein integraler Teil des Ganzen.

Sisyphos ist schlau. Nicht nur, dass er das Prinzip der Promiskuität erfüllt, das nachweislich besser für die Verbreitung von Erbgut taugt als die wesentlich jüngere (kulturelle) als auch physische (biologische)  Evolution der Monogamie. Um seine vielen Frauengeschichten nicht zu verwirren, bleiben wir bei seiner Gemahlin Merope. Eine seiner Eskapaden führt ihn  zur Antikleia, die ihm Odysseus gebärt, den Adorno als den homo oeconomicus bezeichnet, der Triumph der als Vernunft getarnten List des Nutzens über den moralischen Makel. Sisyphos, so lehrt der Mythos, setzt folglich durch List und Lüge bereits Herrschaft und verändertes Erbgut in Umlauf.

Wie kommt es zum Betrug durch Beischlaf mit der künftigen Königstochter? Als der schlauste Dieb Autolykos, Sohn des Götterboten Hermes, seine Schafe stiehlt, markiert er seine Herde, so wie man heute Peilsender oder digitale trojanische Viren aussendet, um den Feind auszuspionieren. Mit dieser, zugegeben archaischen, List vermag Sisyphos den Dieb zu stellen und seine Tochter verführen, eben Antikleia. Weil schon in der Antike, also auch auf den Peloponnes, Kapital und Diebstahl gut miteinander harmonierten, gelingt es dem durch Diebstahl zu Reichtum gekommenen Dieb, seine schwangere Tochter meistbietend mit den lokalen König von Thessalien zu vermählen. Geld heiratet eben Geld, damals schon und fort war Antkleia mit Odysseus in ihrem Leib.

Sisyphos kehrt zurück zu Merope (dem eigentlichen Schaf, das blind sein will) und auf dem Weg sieht er, wie Schwerenöter und Göttervater Zeus die keusche Aigina entführt auf dem Korinthischen Isthmus (besser bekannt als Golf von Korinth). Er verrät es dem aufgebrachten Vater, der zwar nicht die Jungfräulichkeit seiner Tochter zu verhindern, diese aber von der nach ihr benannten Insel zurückzuholen weiß. Mit seiner errungenen Gunst will Sisyphos nun den eigenen Bruder Salmoneus töten, um König von Elis zu werden und nicht nur von Korinth zu bleiben. Zeus in Rage, verhindert dies, aber nicht aus Sympathie zu dem Rivalen, denn diesen tötet er selbst, weil Salmoneus allzu offensichtlich wie ein Gott gebärt und nach den Sternen greift. Wie Machiavelli treffend sagt: Willst du herrschen, musst du töten lernen. Wörtlich heißt es in „Il principe“: „Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen.“ Der Philosoph spricht vom Gesetz der Anpassung und nimmt damit den Manchester-Liberalismus vorweg, den vielen als Raubtierkapitalismus ein Begriff ist. Auch wenn es den weder in der Renaissance noch in der Antike gab, so wirkt das archaische Prinzip offenkundig, wie der Plan der Evolution (sofern es einer ist, sich selbst zu erhalten und zu vermehren) dokumentiert.

Zeus, über den Verrat und menschliches Verhalten zur Eigenmacht empört, führt den Renitenten Thanatos zu. Zweimal schafft es dieser Mensch, wie nach ihm Herakles, Odysseus und vor allem Orpheus, den Tod zu überlisten, aber nur er kann Thanatos im tiefesten Schlund des Todesreiches Hades von der Schippe springen. Einmal betäubt er seinen Wärter mit Wein, einmal durch Hypnose. Denn Thantaos ist der gnädige Tod, der beispielsweise Krieger auf dem Schlachtfeld heimführt (in Germanien Walhalla) er ist ganz und gar nicht gewalttätig wie seine Schwester Ker; er ist nicht der Schlaf (das Unbewusste) wie Hypnos und auch nicht der Traum Morpheus, seine beiden Brüdern. Er wohnt am Eingang des Tartaros, der Unterwelt und wird daher nicht selten mit dem Unbewussten und Unbekannten gleichgesetzt, vor dem sich Erkennen und Bewusstsein fürchten.

Die einen setzen ihn mit Chaos gleich, die anderen halten Thanatos für einen Sohn desselben mit Gaia, alt ist er in jedem Fall, älter als die herrschenden Götter wie Zeus. In Platons Dialog „Gorgias“ belehrt Sokrates seinen Widerredner, der das Gesetz der Stärkeren vertritt, über das Gesetz der Redlichen, also der Guten und der Wahrheit Dienenenden; es sei stärker und verhindere eine ungerechte Bestrafung, für die Thanatos zuständig sei. Sagen wir also, er ist der gute, gnädige, vielleicht sogar der Gerechtigkeit übende Tod. Vielleicht ahnten die Hellenen, dass der Tod nicht immer gerecht und die Götter nicht immer ethisch handeln, da sie ihrer eigenen Moral folgen, die der Mensch nicht kennt, aber in sich trägt wie einen Virus, der zur Mutation und dann zum Ausbruch gelangt, wenn die äußeren Bedingungen sich ändern. Man muss wie im Fall von Sars 2013 seine Vorgeschichte, die von Sars 2002 kennen. Familienaufstellung, bezogen auf Virologie. Der Vorgängervirus von Corona forderte „nur“ 774 Tote, vornehmlich in China, verlief epidemisch und nicht pandemisch.

Sisyphos überlistet den Tod, doch der Fluch des Blutes – heute würde man vielleicht der Gene dazu sagen – ist stärker. Immerhin stammt er in weiter Vorzeit von Ino ab, deren Schicksal es ist, Schwester der Semele zu sein, jener irdischen Schönheit, die Zeus verwirrt und ihm, nachdem er sie verführt hat, Dionysos, den Gott der Schmerzen und des Rausches, aber auch des Wahns, gebiert. Nachdem Semele durch die List der eifersüchtigen Gattin des Zeus Hera, vom Blitz getroffen worden ist und Zeus das Kind (seine Schenkelgeburt antizipiert Zangengeburt und Kaiserschnitt) zur Welt gebracht hat, sichert Ino als Amme für das Überleben des Kindes, dass es flüchten und den Zorn Heras entkommen kann. Inos Schicksal: sie wird mit Wahn gestraft, tötet ihr leibliches Kind und springt, als sie es erkennt, mit dem Toten ins Meer, natürlich am Golf von Isthmus. Geschichte wiederholt sich. Unbestimmte Zeit später erblickt ihr Nachfahre Sisyphos den Raub der Menschentochter durch Zeus, der sich partout nicht moralisieren lassen will. Jede Autorität versteht es, das Recht auf seine Seite zu ziehen, vor allem, wenn Gewaltenteilung noch ein Stolperstein ist.

Nach seinem ersten Entkommen aus dem Reich des Todes gibt Sisyphos  der Gemahlin Merope den Auftrag, ihn nicht zu begraben, was dazu führt, dass Thanatos den Unbestatteten wieder auf die Erde entlassen muss, die Bestrafung muss erneut vertagt werden, weil der Tod bereits nicht mehr allmächtig ist. Sisyphos, der Ahn des Odysseus, dessen List gleichfalls mit Schafen die Herrschaft der Titanen bricht, beginnt das Leben in vollen Zügen zu genießen, ja er spottet der Götter. Das muss sich rächen und so stirbt er am Ende nie, sondern muss leiden, lebenslang wie die postmoderne Gesellschaft, deren Gier nach Leben sich überlebt hat. Die Geschichte vom Sündenfall ist alt, sie kommt auch im Christentum vor und handelt vom Essen der verbotenen Früchte. Tantalos, gleichfalls ein Sohn des Zeus, wenn man so will, Gottes Adam, wurde gleichfalls übermütig und musste ewig Hunger oder Durst erleiden, weil ihm, immer wenn er der Erlösung (der Stillung seiner Begierden) nahekam, die Frucht des Lebens entrissen wurde. Geschichten über Strafe beginnen immer mit einer imaginären Schuld und diese mit dem Herausfall aus dem Stadium der Unwissenheit. Die gesamte Genesis, nicht nur die biblische, basiert auf Erkenntnis und Missbrauch der selbigen. Immer gab es Gesetze, die Unrecht legitimierten.

Erkennen. Annehmen. Revolte. So hat es Camus formuliert, Schnellfeuergewehr eines überzeugten Pazifisten. Wir folgen der absurden Logik anstelle der Logik des Absurden. So die Abbreviatur seiner Philosophie. Bezogen auf Sisyphos: Wir müssen uns ihn als einen glücklichen Menschen vorstellen. Das erlaubt drei Sichtweisen. Erstens: der Mensch, der dienen darf, eine Aufgabe hat und leiden kann, ist glücklich. Könnte so sein, wenn man den Gehorsam und die Bereitwilligkeit mancher Menschen im Kreislauf des homo oeconomicus in Augenschein nimmt. Zweitens: Wir sollten daran glauben, dass er glücklich ist und ein happy end sich nur unserer Vorstellung(skraft) entzieht. Könnte so sein, wenn man den Optimismus eines „Yes we can“ und dem Gerede „Wir schaffen das“ Folge leistet. Schon Blochs Prinzip Hoffnung sah sich verkürzt auf die Maxime: „Unsere Enkel fechten´s besser aus.“  Drittens: das Glück könnte in der kurzweiligen Befreiung (oder Vorstellung) von einem als Ist-Zustand empfundenen Soll Werden Prinzip bestehen. Anders ausgedrückt: es ist ein Glück der Revolte, des Aufbegehrens, nicht des Habens. Es ist ein Glück des Kampfes, nicht des Krieges und ein Glück  der Solidarität mit dem Leben anstelle des reinen Ich überlebe egal wie  – Instinkts.

Keine Macht der Furcht vor dem Tod oder Todesszenarien, gebraucht eine List wie Sisyphos, der zweimal dem Tod von der Schippe sprang, weil er Eros dem Thanatos vorzog. Sagt Ja zum Leben und Nein zum Verzicht darauf. Leicht missbrauchbar, wenn es interpretiert wird als verantwortungslos. Das Gegenteil ist gemeint. Schaut auf die Entwicklung, das Gesetz des Lebens, des Schicksals der Evolution und dem des Wandels.

Monod, Mikrobiologe, Nobelpreisträger, Hugenotte, lernt Camus als Mitglied der Résistance kennen. Überzeugt von der Konvergenz der Biologie mit der Philosophie, der Natur- mit der Geisteswissenschaft, schreibt er in „Zufall und Notwendigkeit. Philosophische Fragen der Biologie“ (deutsch 1971), dass die Welt des dialektischen Materialismus auf Demokrit (der nicht der Begründer der Demokratie ist, sondern der atomisierten Welt), basiert. Auch Karl Marx promovierte über Demokrit, der postuliert: „Alles, was existiert, hängt von Zufall oder Notwendigkeit ab. Zwischen diesen beiden Prinzipien ist nichts.“  Früher glaubte man, Atome bildeten die kleinsten unzerteilbaren Bestandteile des Lebens. Bis heute erfährt die Elementarkultur eine grandiose Zerstückelung in Minaturisierungs-Parzellen; selbst die Zelle und die Proteine sind Makrosturktur. Vergleichbar ist der Handel, parzelliert in Teilmärkte bis hin zum Bitcom. Vergleichbar sind die Gesetze: kam Moses noch mit zehn vom Berg, zudem auf Tafel geschrieben, sind es heute unzählige Bücher, Paragraphen und nicht einmal gedruckt, ein Palimpsest, die durch Schaben, Waschen oder Reiben wieder leserlich gemacht werden könnte. Spezialisierte Spezialisten kümmern sich darum, die Minuskel lesbar zu gestalten, Übersetzer gestalten sie dann legal, das von letal nur durch einen Buchstaben getrennt wird. Wir sterben uns zu Tode.

Monods Verdienst liegt darin, diese in der Philosophie (z.B. Hegels, den Marx invertiert) angewandten Prinzipien auf die Biologie zu transformieren: Zufall ist nun in evolutionärer Sprache Mutation, Notwendigkeit Selektion. Dabei unterscheidet er die physische Ordnung, in der durchaus Zufall (Chaos) herrscht, die selbst Darwins Gesetz nicht grundsätzlich in Abrede stellt, und die kulturelle Ordnung  (logos), die auf Eingriff und damit auf Selektion beruht. Nun könnte man glauben, der Zufall, die Natur als Mechanismus einem blinden Uhrmacher zu vergleichen (wie es Evolutionsbiologe Richard Dawkins 1987 unternimmt) generiere mehr Schaden (interpretiert als Katastrophen) als ein gewollter, steuerbarer Prozess. Die Utliatristen scheinen zu triumphieren. Dies gilt jedoch nur, wenn Intelligenz (eine Form der Mutation) sich als Vorteil für  das gesamte System und nicht nur eine Nische (homo oeconomicus) erweist.

Man könnte glauben, das Milieu entscheide, welche Mutationen erfolgreich sind und welche nicht, doch wenn Anpassung (Assimilation) das biologische Milieu verdrängt (als Sekundärsubstanz), dann kann die Entropie, die Vermischung, Transformation und Energieerhaltung nicht mehr wirken. Das System entgleitet, schlägt zurück, wendet sich gegen den Wirt (Mensch): unter unnatürlichen Lebensbedingungen können auch die natürlichen Mechanismen nicht mehr greifen. Dann kommt es zur Panik oder zu gesetzlich angeordneten Notstandsverordnungen; legitim, legal und letal sind Synonyme geworden. Sisyphos kann nachträglich der Prozess gemacht werden.

Monod erhielt für seine mikro-biologischen Erkenntnisse den Nobelpreis. Er tritt für die Wahrheit, daher für die Skepsis, ein – und bezieht sich auf den griechischen Helden des Widerstands. Bezogen auf die Virologie heißt das, es gibt zwei Arten von Viren, die bekanntermaßen älter als Bakterien und damit auch älter als Leben sind; Bakterien sind eine von drei Lebensformen, die selbständig generieren, was der Virus (noch) nicht kann . Es gibt die genetisch hochvariable Mutation, die wie im Fall von Sars sich laufend verändert (insofern kann es keinen dauerhaften Impfstoff geben, weil sich Sars CoV 2 rasch zu 3 und 4 transformieren wird) und es gibt Viren, die durch den externen Einfluss verändert werden. Natürlich sprach Monod nicht von Corona, er sprach von Viren generell. Natürlich sprach er nicht von Panik und Epidemie, sondern von wiederkehrenden Mutationen, die mitunter für eine Generation gefährlich und schädlich sind, aber langfristig für ein natürliches biologisches Gleichgewicht sorgen. Er sprach und schrieb ähnlich wie Camus von Naturgesetzen, die nicht der Wirtschaft oder dem politischen Selbsterhaltungstrieb folgen. Er sprach von Sisyphos als Verkörperung der Renitenz analog eines Virus, der sich notfalls listreich verwandelt, verstellt, so dass er nicht erkannt wird und überlebt, sofern ein Virus, der ja nicht lebendig ist, diese Sprache überhaupt erlaubt.

Wer würde bezweifeln, dass unsere Welt durch z.B. Feinstaub, Pestizid und Klimaveränderung heute ein anderes Mikroklima besitzt als vor der industriellen Zeit, ja vor des Menschen Eingriff überhaupt? Die Invasion an Chemie und unwillentlich frei gesetzen, teilweise auch bewusst erzeugten toxischen Stoffen hat eine vielleicht nie genau feststellbare und schon gar nicht monokausal (monotheistisch) rückführbare Fehlerkette (pardon Eiweißkette) nach sich gezogen, doch die Mutation von Nukleinsäuren und Proteinen, die Veränderung von DNA und vordem RNA (diese geht der DNA immer voraus) kann niemand in Frage stellen, der über gesunden Menschenverstand verfügt. Menschen, die Gottes Schöpfungsplan aus der Bibel ablesen ausgenommen, die mögen von gewollter und planvoller Selektion sprechen und in der Natur ein unabänderlich vorprogrammiertes Uhrwerk sehen, das vielleicht auch nicht die fünf vor Zwölf – Zeigerstellung kennt.

Ohne in die Feinheiten des Feinstaubs einzusteigen, über die sich streng genommen nicht einmal die Virologen bzw. Mikrobiologen einig sind, gilt die Feststellung: Zellwachstum ist abhängig vom Milieu (Umwelteinflüsse), weshalb es Mutationen geben wird und muss; das hat Demokrit bereits erkannt, ohne die Welt unter das Mikroskop legen zu können. Marx hat aus ihm geschlossen, dass die kleinsten Einheiten die größten Veränderungen vornehmen und gehofft, dass Bürger den Staat bzw. die Staatsform bestimmen. Monod hat für die Enzymforschung abgeleitet, dass nicht nur Proteine Leben erzeugen, sondern bereits die Viren universelle Bausteine des Lebens sind, ohne selbst Zellen zu besitzen, folglich die Funktion von Aminosäureketten bereits beherrschen. Bakterien sind zellkernlos, doch selbsterzeugter Teil des menschlichen Organismus mit seinem Zellkern, für den die Evolution eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hat, Viren sind archaischer Schleim, der infektiös von außen, also dem Milieu, zugeführt wird (mal tröpfchenweise eingeatmet bzw. ausgespuckt, mal in anderer Form verabreicht): sie haben keinen Stoffwechsel und deshalb auch kein eigenständiges Leben, keine Energieerzeugung, keine Proteine, dafür bedürfen sie einen Wirt. 

Das Wissen über Viren ist wie im Grunde jede Wahrheit weder abgeschlossen noch absolut, es ist offen (wie eine offene Gesellschaft) und nicht persistierend, sondern hat eine rasend kurze Haltbarkeit. Was aber kolportiert wird ist: es gibt ein Virus X und ein Mittel Y und eine Wirkung Z; eine Gleichung mit im Grunde drei Unbekannten, so Monod. Für diese Erkenntnis erhielt er einen Nobelpreis, etwa zu der Zeit, als ich geboren wurde. Heute scheint sich das unerfreuliche Zweckbündnis aus Politik, Wissenschaft und Schweige- oder Zustimmungsspirale gegen ihn auszusprechen. Es verfährt, als lasse sich einem Virus durch Verordnungen beikommen, als wüssten wir bereits, wie er wirkt, als wäre unser Milchstraßensystem in Stein gegossen, nichts in Bewegung, nichts zufällig, alles notwendig und in der Not liegt auch der Fall (begraben). Dabei ist selbst der Blick in den Sternenhimmel trügerisch, weil zeitversetzt. Vielleicht besaßen die Plejaden mehr Geschwister und vielleicht schleppt Sisyphos gar keine Steine, sondern Kohlköpfe. Intelligenz, so Monod, könnte sich evolutionär als Nachteil erweisen.

Sisyphos bleibt immer unterwegs, dieser Nomade des Wissens, der keine Wahrheiten duldet, keine Ewigkeiten kennt und damit den Göttern trotzt oder sie leugnet. Jaques Lucien Monod lernte Camus während des gemeinsamen Kampfes in der Résistance kennen. Die Revolte endet nie. Auf den Terror der Deutschen folgte der der Russen und auf den anderer, wie ein Virus. Monot brach mit der Partei, als sich herausstellte, dass die Wissenschaft mit den Mächtigen paktierte und nicht Wissen, sondern Mythen vorantrieb. Ein gewisser stalintreuer Lyssenko (er starb wie Monod 1976) postulierte, Gene sind die Folgen der Umwelt und damit Intelligenz eine Frage der politischen Kultur. Seine falschen Thesen wurden getragen, weil die Wissenschaftler nicht wagten, den Günstling Stalins zu widersprechen, wider besseren Wissens wiederlegten sie ihn nicht. Lyssenkos Methoden führten unter staatlicher Duldung zum Niedergang der russischen Agrarkultur; seine Pseudo-Wissenschaft, die nicht überprüfen und Hypothesen nicht verifizieren wollte, führte zu Missernten, Hunger und sogar Seuchen. Sie wurden Verschwörern und Saboteuren zugeschrieben, der Bock zum Gärtner gemacht. Lyssenko ist kein russisches Phänomen, warnte Monod.  In seinem Buch „Le hasard etla nécessité“,  das zwischen Philosophie und Biologie oszilliert, schreibt er über Sisyphos: „Es ist an ihm, zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen der Wahrheit und dem Mythoszu wählen.“

Monod ist ein Vertreter der Dysgenetik, die gerne mit Eugenetik und diese mit dem Dritten Reich und Rassenhygiene verwechselt oder in einem Atemzug genannt wird. Nachdem uns der Fortschrittsmythos jahrhundertelang suggerierte (auch, weil der Mensch es sich hat einreden lassen wollen), dass nur das gute oder zumindest systemisch angepasste Erbgut überlebt, war er einer der ersten, die, ausgehend von der Dialektik des historischen Materialismus auch einen schädigenden Einfluss auf die Evolution voraussahen oder besser zur Kenntnis nahmen. Philosophisch konvergiert dies mit Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in der Platon und Hegel als Vordenker des Totalitarismus und auch Marx´ als Wegbereiter einer fehlgeleiteten Ideologie angegriffen werden, vor allem weil sie ewige Wahrheiten beanspruchen. Auch sie vertraten das Recht, Gesetze notfalls über Nacht zu ändern. Alle wähnten sie das Recht auf ihrer Seite, wie Machiavelli es ihnen bot: Systemkonformität.

Davon mag man halten, was man will, ein Fakt ist unwiderlegbar: Es überleben im Gegensatz zur Natur, der sich der Mensch nicht nur entfremdet, sondern auch weitgehend entzogen hat, auch die Schwachen, besonders im Krieg, es überleben die Kranken und vielleicht sogar Degenerierten bei der Unterlassung von eugenetischen Maßnahmen. Diese sollen nicht gerechtfertigt werden, eine Diskussion erscheint angesichts der Vorbelastung und des erfolgten politisch ideologischen Missbrauchs deplatziert, doch biologisch ist offenkundig, dass sich die Natur um Moral oder Ethik nicht kümmert. Wie es Max Frisch so treffend formuliert: „Die Natur kennt keine Katastrophen, einzig der Mensch (der sie erzeugt), sofern er sie überlebt, kennt die Katastrophe“.  Konrad Lorenz sprach von der schädigenden Wirkung auf unser Erbgut durch permanente Domestizierung und Zivilisierung, er nannte den Prozess in „Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung“ Verhaustierung. Gemeint ist: der Mensch schwächt sein Immunsystem, einerseits, indem er sich nicht abhärtet und andererseits durch Veränderung seines natürlichen Milieus.

Der Virus lenkt die Aufmerksamkeit ab vom Großen und Ganzen, von essentiellen Problemen und möglichen Ursachen. Feinstaubbelastung der Umwelt greift in die Natur ein in die natürliche Balance, z. B. durch elektromagnetische Strahlung, verändern Erbgut, also Proteinketten. Dass Krankheiten wie Krebs auch durch Umweltbelastung wie Glyphosphat, das auch nach Bekanntgabe alarmierender Werte massenweise in der Agrarindustrie Einsatz findet oder Smogbildung in den Großstädten durch ein Übermaß an Verkehr begünstigt wird, kann der gesunde Menschenverstand nicht in Frage stellen. Zunächst starben aber nur die Bienen, also schwiegen wir. Wissenschaft hat hier durch Gutachten und Fallstudien auch Glaubwürdigkeit, ethisch wie methodisch, verspielt. Alles ist beweis- und dokumentierbar, sofern eine dementsprechende Frage- und Versuchsanord-nung es so will. Skalierte Daten sind durchaus nicht so neutral und empirisch wie sie scheinen. Kein Mythos ist hartnäckiger als der von der Objektivität. Sisyphos aber steht für den permanenten Kampf der Wissenschaft, ein Ringen, nicht ein Töten  mit dem und nicht gegen das Wissen und für die Wahrheit, notfalls auch durch eine List. Er höhnt den Göttern, die verabsolutieren und Gesetze erlassen, die ihr Handeln rechtfertigt und das der anderen stigmatisiert. Der Renitent duldet den Missbrauch nicht, der sich unweigerlich und immer von neuem stellt. Er rollt den Stein des Weisen.

Zurück zu Sisyphos am Ende des Steins. Gib niemals auf, lautet seine Botschaft. In Erich Frieds Gedicht heißt es:  „Was bleibt? // Nichts als die Qual / seine Qual / überlebt zu haben.“

Erich Fried, Vorahnung des Endsiegs                                                             

Sisyphos

staubig

und satt

vom Mehl

seines Steines

hat Angst:

Der Stein

nützt sich ab

Die Sinnlosigkeit

der ewige

verfluchte

Sinn seiner Arbeit

selber

vom Fluch geschlagen

Kleiner

dem schwindenden Stein gleich

das Mitleid der Schatten

das ihm Kraft

zur Ohnmacht gegeben hat

Bald rollt nur

ein Kiesel

am geschundenen Steilhang

Was bleibt?

Nichts als die Qual

seine Qual

überlebt zu haben

Erich Fried


Was haben SarsCoV2 und Sisyphos, was die Nobelpreisträger Camus und Monod, was der russische Agrargenforscher Lyssenko und der bevorstehende Parlamentsbeschluss von Ausnahmegesetzen gemein? Wie verbinden sich die Gesetze der Evolution mit Zufall und Notwendigkeit und Virologie mit Politik?

Tizians Bild steht mir vor Augen. Am Anfang steht eigentlich nicht Sisyphos, sondern die Gier nach Leben. Jeder meint ihn zu kennen, den Mensch, der leidet, der unaufhaltsam Steine schleppt, der seinem Schicksal trotzt und dafür bestraft wird, der den Göttern Widerstand entgegenbringt und für seine Hybris büßt. Im Menschen scheinen Furcht und Strafe gut und in Wechselbeziehung verankert, anders kann man die grandiose Zustimmung von Mehrheiten zu offenkundigem Machtmissbrauch und die Akzeptanz von Diktatoren kaum deuten. Ertragen müssen wir sie doch, die Klugen die Dummen, die Reichen die aufsässigen Armen, das Volk ihre Herrscher, denen es laut Umfragen bereitwillig und nicht nur freiwillig folgt. Die Stigmatisierung erfährt der Aufbegehrende, Sisyphos eben.  Wir sind auch im Zeitalter der Aufklärung und der Mulitmedia zu passiven stummen Zeugen mutiert, handlungs- und denkohnmächtig, haben dem Mythos mehr Macht als der Wahrheit (präziser den Wahrheiten) gestattet. Sisyphos schleppt Steine, wir tragen Masken, beides symbolisch, allegorisch, mythisch. Genau genommen geht es um Mutation von Wahrheiten.

Kaum einer betrachtet den Mythos genauer. Er beginnt 1400 v. C. Übrigens eine Epoche der Pest, doch dies tut nichts zur Sache. Wir schauen auf ein Sternenbild, die Plejaden, das Siebengestirn. Sieben Schwestern sind es, eine davon heißt Merope. Sie ist die Tochter von Atlas, dem Titan, der trägt die Welt auf seinen Schultern, wo die Sonne untergeht, tief im Westen, wo auch das Reich des Thanatos ist, er wohnt also Tür an Tür mit dem Tod.  Es ist die Geschichte des Patriarchats und seines Untergangs. Genau genommen stammt auch Meropes Vater von den Titanen ab, diese von Uranos, der mit seiner Mutter Gaia schlief. Als Himmel und Erde sich in einem ersten inzestuösen Verhältnis vereinigten und das Meer zeugten, geschah Unrecht, denn Uranos sperrte alle Kinder, die er mit seiner Mutter zeugte fort, bis einer sich getraute, ihn zu entmannen (Kastrationsmythos) und in diesem ödipalen Konflikt die Zeit (Chronos) obsiegte. Kronos war der neue Herrscher, bis auch er einen Sohn zeugte, der ihn tötete oder zumindest entthronte, so will es der Lauf des Schicksals, den manche Evolution heißen.

In Sisyphos´ Zeit fällt der Kampf zwischen Göttern und Menschen, der recht ungleich und dessen Ausgang vorbestimmt ist. Sisyphos ist ein wenig schlauer als die anderen, schon sein Vater, der thessalische König Aiolos war es, nicht umsonst ist nach seinem Namen der Windgott benannt, der listig die Richtung zu ändern weiß, wenn es ihm nützt. Aiolos hat sieben Söhne, genau wie Uranos und Kronos vor ihm, sieben ist eine wichtige, ja mystische und mythische Zahl, auch im Christentum, wo sie nicht nur für die sieben Todsünden und die Genesis der Sieben Tage Schöpfung steht,  sondern auch in der Evolution, da ein Zellzyklus in sieben Jahren komplett abgeschlossen ist. Es bestehen folglich Analogien zwischen Mythos und Wissenschaft, die, wie Demokrit aufzeigt, durchaus noch nicht getrennte Wege gehen, auch die Religion ist zu dieser Zeit noch nicht emanzipiert, sondern ein integraler Teil des Ganzen.

Sisyphos ist schlau. Nicht nur, dass er das Prinzip der Promiskuität erfüllt, das nachweislich besser für die Verbreitung von Erbgut taugt als die wesentlich jüngere (kulturelle) als auch physische (biologische)  Evolution der Monogamie. Um seine vielen Frauengeschichten nicht zu verwirren, bleiben wir bei seiner Gemahlin Merope. Eine seiner Eskapaden führt ihn  zur Antikleia, die ihm Odysseus gebärt, den Adorno als den homo oeconomicus bezeichnet, der Triumph der als Vernunft getarnten List des Nutzens über den moralischen Makel. Sisyphos, so lehrt der Mythos, setzt folglich durch List und Lüge bereits Herrschaft und verändertes Erbgut in Umlauf.

Wie kommt es zum Betrug durch Beischlaf mit der künftigen Königstochter? Als der schlauste Dieb Autolykos, Sohn des Götterboten Hermes, seine Schafe stiehlt, markiert er seine Herde, so wie man heute Peilsender oder digitale trojanische Viren aussendet, um den Feind auszuspionieren. Mit dieser, zugegeben archaischen, List vermag Sisyphos den Dieb zu stellen und seine Tochter verführen, eben Antikleia. Weil schon in der Antike, also auch auf den Peloponnes, Kapital und Diebstahl gut miteinander harmonierten, gelingt es dem durch Diebstahl zu Reichtum gekommenen Dieb, seine schwangere Tochter meistbietend mit den lokalen König von Thessalien zu vermählen. Geld heiratet eben Geld, damals schon und fort war Antkleia mit Odysseus in ihrem Leib.

Sisyphos kehrt zurück zu Merope (dem eigentlichen Schaf, das blind sein will) und auf dem Weg sieht er, wie Schwerenöter und Göttervater Zeus die keusche Aigina entführt auf dem Korinthischen Isthmus (besser bekannt als Golf von Korinth). Er verrät es dem aufgebrachten Vater, der zwar nicht die Jungfräulichkeit seiner Tochter zu verhindern, diese aber von der nach ihr benannten Insel zurückzuholen weiß. Mit seiner errungenen Gunst will Sisyphos nun den eigenen Bruder Salmoneus töten, um König von Elis zu werden und nicht nur von Korinth zu bleiben. Zeus in Rage, verhindert dies, aber nicht aus Sympathie zu dem Rivalen, denn diesen tötet er selbst, weil Salmoneus allzu offensichtlich wie ein Gott gebärt und nach den Sternen greift. Wie Machiavelli treffend sagt: Willst du herrschen, musst du töten lernen. Wörtlich heißt es in „Il principe“: „Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen.“ Der Philosoph spricht vom Gesetz der Anpassung und nimmt damit den Manchester-Liberalismus vorweg, den vielen als Raubtierkapitalismus ein Begriff ist. Auch wenn es den weder in der Renaissance noch in der Antike gab, so wirkt das archaische Prinzip offenkundig, wie der Plan der Evolution (sofern es einer ist, sich selbst zu erhalten und zu vermehren) dokumentiert.

Zeus, über den Verrat und menschliches Verhalten zur Eigenmacht empört, führt den Renitenten Thanatos zu. Zweimal schafft es dieser Mensch, wie nach ihm Herakles, Odysseus und vor allem Orpheus, den Tod zu überlisten, aber nur er kann Thanatos im tiefesten Schlund des Todesreiches Hades von der Schippe springen. Einmal betäubt er seinen Wärter mit Wein, einmal durch Hypnose. Denn Thantaos ist der gnädige Tod, der beispielsweise Krieger auf dem Schlachtfeld heimführt (in Germanien Walhalla) er ist ganz und gar nicht gewalttätig wie seine Schwester Ker; er ist nicht der Schlaf (das Unbewusste) wie Hypnos und auch nicht der Traum Morpheus, seine beiden Brüdern. Er wohnt am Eingang des Tartaros, der Unterwelt und wird daher nicht selten mit dem Unbewussten und Unbekannten gleichgesetzt, vor dem sich Erkennen und Bewusstsein fürchten.

Die einen setzen ihn mit Chaos gleich, die anderen halten Thanatos für einen Sohn desselben mit Gaia, alt ist er in jedem Fall, älter als die herrschenden Götter wie Zeus. In Platons Dialog „Gorgias“ belehrt Sokrates seinen Widerredner, der das Gesetz der Stärkeren vertritt, über das Gesetz der Redlichen, also der Guten und der Wahrheit Dienenenden; es sei stärker und verhindere eine ungerechte Bestrafung, für die Thanatos zuständig sei. Sagen wir also, er ist der gute, gnädige, vielleicht sogar der Gerechtigkeit übende Tod. Vielleicht ahnten die Hellenen, dass der Tod nicht immer gerecht und die Götter nicht immer ethisch handeln, da sie ihrer eigenen Moral folgen, die der Mensch nicht kennt, aber in sich trägt wie einen Virus, der zur Mutation und dann zum Ausbruch gelangt, wenn die äußeren Bedingungen sich ändern. Man muss wie im Fall von Sars 2013 seine Vorgeschichte, die von Sars 2002 kennen. Familienaufstellung, bezogen auf Virologie. Der Vorgängervirus von Corona forderte „nur“ 774 Tote, vornehmlich in China, verlief epidemisch und nicht pandemisch.

Sisyphos überlistet den Tod, doch der Fluch des Blutes – heute würde man vielleicht der Gene dazu sagen – ist stärker. Immerhin stammt er in weiter Vorzeit von Ino ab, deren Schicksal es ist, Schwester der Semele zu sein, jener irdischen Schönheit, die Zeus verwirrt und ihm, nachdem er sie verführt hat, Dionysos, den Gott der Schmerzen und des Rausches, aber auch des Wahns, gebiert. Nachdem Semele durch die List der eifersüchtigen Gattin des Zeus Hera, vom Blitz getroffen worden ist und Zeus das Kind (seine Schenkelgeburt antizipiert Zangengeburt und Kaiserschnitt) zur Welt gebracht hat, sichert Ino als Amme für das Überleben des Kindes, dass es flüchten und den Zorn Heras entkommen kann. Inos Schicksal: sie wird mit Wahn gestraft, tötet ihr leibliches Kind und springt, als sie es erkennt, mit dem Toten ins Meer, natürlich am Golf von Isthmus. Geschichte wiederholt sich. Unbestimmte Zeit später erblickt ihr Nachfahre Sisyphos den Raub der Menschentochter durch Zeus, der sich partout nicht moralisieren lassen will. Jede Autorität versteht es, das Recht auf seine Seite zu ziehen, vor allem, wenn Gewaltenteilung noch ein Stolperstein ist.

Nach seinem ersten Entkommen aus dem Reich des Todes gibt Sisyphos  der Gemahlin Merope den Auftrag, ihn nicht zu begraben, was dazu führt, dass Thanatos den Unbestatteten wieder auf die Erde entlassen muss, die Bestrafung muss erneut vertagt werden, weil der Tod bereits nicht mehr allmächtig ist. Sisyphos, der Ahn des Odysseus, dessen List gleichfalls mit Schafen die Herrschaft der Titanen bricht, beginnt das Leben in vollen Zügen zu genießen, ja er spottet der Götter. Das muss sich rächen und so stirbt er am Ende nie, sondern muss leiden, lebenslang wie die postmoderne Gesellschaft, deren Gier nach Leben sich überlebt hat. Die Geschichte vom Sündenfall ist alt, sie kommt auch im Christentum vor und handelt vom Essen der verbotenen Früchte. Tantalos, gleichfalls ein Sohn des Zeus, wenn man so will, Gottes Adam, wurde gleichfalls übermütig und musste ewig Hunger oder Durst erleiden, weil ihm, immer wenn er der Erlösung (der Stillung seiner Begierden) nahekam, die Frucht des Lebens entrissen wurde. Geschichten über Strafe beginnen immer mit einer imaginären Schuld und diese mit dem Herausfall aus dem Stadium der Unwissenheit. Die gesamte Genesis, nicht nur die biblische, basiert auf Erkenntnis und Missbrauch der selbigen. Immer gab es Gesetze, die Unrecht legitimierten.

Erkennen. Annehmen. Revolte. So hat es Camus formuliert, Schnellfeuergewehr eines überzeugten Pazifisten. Wir folgen der absurden Logik anstelle der Logik des Absurden. So die Abbreviatur seiner Philosophie. Bezogen auf Sisyphos: Wir müssen uns ihn als einen glücklichen Menschen vorstellen. Das erlaubt drei Sichtweisen. Erstens: der Mensch, der dienen darf, eine Aufgabe hat und leiden kann, ist glücklich. Könnte so sein, wenn man den Gehorsam und die Bereitwilligkeit mancher Menschen im Kreislauf des homo oeconomicus in Augenschein nimmt. Zweitens: Wir sollten daran glauben, dass er glücklich ist und ein happy end sich nur unserer Vorstellung(skraft) entzieht. Könnte so sein, wenn man den Optimismus eines „Yes we can“ und dem Gerede „Wir schaffen das“ Folge leistet. Schon Blochs Prinzip Hoffnung sah sich verkürzt auf die Maxime: „Unsere Enkel fechten´s besser aus.“  Drittens: das Glück könnte in der kurzweiligen Befreiung (oder Vorstellung) von einem als Ist-Zustand empfundenen Soll Werden Prinzip bestehen. Anders ausgedrückt: es ist ein Glück der Revolte, des Aufbegehrens, nicht des Habens. Es ist ein Glück des Kampfes, nicht des Krieges und ein Glück  der Solidarität mit dem Leben anstelle des reinen Ich überlebe egal wie  – Instinkts.

Keine Macht der Furcht vor dem Tod oder Todesszenarien, gebraucht eine List wie Sisyphos, der zweimal dem Tod von der Schippe sprang, weil er Eros dem Thanatos vorzog. Sagt Ja zum Leben und Nein zum Verzicht darauf. Leicht missbrauchbar, wenn es interpretiert wird als verantwortungslos. Das Gegenteil ist gemeint. Schaut auf die Entwicklung, das Gesetz des Lebens, des Schicksals der Evolution und dem des Wandels.

Monod, Mikrobiologe, Nobelpreisträger, Hugenotte, lernt Camus als Mitglied der Résistance kennen. Überzeugt von der Konvergenz der Biologie mit der Philosophie, der Natur- mit der Geisteswissenschaft, schreibt er in „Zufall und Notwendigkeit. Philosophische Fragen der Biologie“ (deutsch 1971), dass die Welt des dialektischen Materialismus auf Demokrit (der nicht der Begründer der Demokratie ist, sondern der atomisierten Welt), basiert. Auch Karl Marx promovierte über Demokrit, der postuliert: „Alles, was existiert, hängt von Zufall oder Notwendigkeit ab. Zwischen diesen beiden Prinzipien ist nichts.“  Früher glaubte man, Atome bildeten die kleinsten unzerteilbaren Bestandteile des Lebens. Bis heute erfährt die Elementarkultur eine grandiose Zerstückelung in Minaturisierungs-Parzellen; selbst die Zelle und die Proteine sind Makrosturktur. Vergleichbar ist der Handel, parzelliert in Teilmärkte bis hin zum Bitcom. Vergleichbar sind die Gesetze: kam Moses noch mit zehn vom Berg, zudem auf Tafel geschrieben, sind es heute unzählige Bücher, Paragraphen und nicht einmal gedruckt, ein Palimpsest, die durch Schaben, Waschen oder Reiben wieder leserlich gemacht werden könnte. Spezialisierte Spezialisten kümmern sich darum, die Minuskel lesbar zu gestalten, Übersetzer gestalten sie dann legal, das von letal nur durch einen Buchstaben getrennt wird. Wir sterben uns zu Tode.

Monods Verdienst liegt darin, diese in der Philosophie (z.B. Hegels, den Marx invertiert) angewandten Prinzipien auf die Biologie zu transformieren: Zufall ist nun in evolutionärer Sprache Mutation, Notwendigkeit Selektion. Dabei unterscheidet er die physische Ordnung, in der durchaus Zufall (Chaos) herrscht, die selbst Darwins Gesetz nicht grundsätzlich in Abrede stellt, und die kulturelle Ordnung  (logos), die auf Eingriff und damit auf Selektion beruht. Nun könnte man glauben, der Zufall, die Natur als Mechanismus einem blinden Uhrmacher zu vergleichen (wie es Evolutionsbiologe Richard Dawkins 1987 unternimmt) generiere mehr Schaden (interpretiert als Katastrophen) als ein gewollter, steuerbarer Prozess. Die Utliatristen scheinen zu triumphieren. Dies gilt jedoch nur, wenn Intelligenz (eine Form der Mutation) sich als Vorteil für  das gesamte System und nicht nur eine Nische (homo oeconomicus) erweist.

Man könnte glauben, das Milieu entscheide, welche Mutationen erfolgreich sind und welche nicht, doch wenn Anpassung (Assimilation) das biologische Milieu verdrängt (als Sekundärsubstanz), dann kann die Entropie, die Vermischung, Transformation und Energieerhaltung nicht mehr wirken. Das System entgleitet, schlägt zurück, wendet sich gegen den Wirt (Mensch): unter unnatürlichen Lebensbedingungen können auch die natürlichen Mechanismen nicht mehr greifen. Dann kommt es zur Panik oder zu gesetzlich angeordneten Notstandsverordnungen; legitim, legal und letal sind Synonyme geworden. Sisyphos kann nachträglich der Prozess gemacht werden.

Monod erhielt für seine mikro-biologischen Erkenntnisse den Nobelpreis. Er tritt für die Wahrheit, daher für die Skepsis, ein – und bezieht sich auf den griechischen Helden des Widerstands. Bezogen auf die Virologie heißt das, es gibt zwei Arten von Viren, die bekanntermaßen älter als Bakterien und damit auch älter als Leben sind; Bakterien sind eine von drei Lebensformen, die selbständig generieren, was der Virus (noch) nicht kann . Es gibt die genetisch hochvariable Mutation, die wie im Fall von Sars sich laufend verändert (insofern kann es keinen dauerhaften Impfstoff geben, weil sich Sars CoV 2 rasch zu 3 und 4 transformieren wird) und es gibt Viren, die durch den externen Einfluss verändert werden. Natürlich sprach Monod nicht von Corona, er sprach von Viren generell. Natürlich sprach er nicht von Panik und Epidemie, sondern von wiederkehrenden Mutationen, die mitunter für eine Generation gefährlich und schädlich sind, aber langfristig für ein natürliches biologisches Gleichgewicht sorgen. Er sprach und schrieb ähnlich wie Camus von Naturgesetzen, die nicht der Wirtschaft oder dem politischen Selbsterhaltungstrieb folgen. Er sprach von Sisyphos als Verkörperung der Renitenz analog eines Virus, der sich notfalls listreich verwandelt, verstellt, so dass er nicht erkannt wird und überlebt, sofern ein Virus, der ja nicht lebendig ist, diese Sprache überhaupt erlaubt.

Wer würde bezweifeln, dass unsere Welt durch z.B. Feinstaub, Pestizid und Klimaveränderung heute ein anderes Mikroklima besitzt als vor der industriellen Zeit, ja vor des Menschen Eingriff überhaupt? Die Invasion an Chemie und unwillentlich frei gesetzen, teilweise auch bewusst erzeugten toxischen Stoffen hat eine vielleicht nie genau feststellbare und schon gar nicht monokausal (monotheistisch) rückführbare Fehlerkette (pardon Eiweißkette) nach sich gezogen, doch die Mutation von Nukleinsäuren und Proteinen, die Veränderung von DNA und vordem RNA (diese geht der DNA immer voraus) kann niemand in Frage stellen, der über gesunden Menschenverstand verfügt. Menschen, die Gottes Schöpfungsplan aus der Bibel ablesen ausgenommen, die mögen von gewollter und planvoller Selektion sprechen und in der Natur ein unabänderlich vorprogrammiertes Uhrwerk sehen, das vielleicht auch nicht die fünf vor Zwölf – Zeigerstellung kennt.

Ohne in die Feinheiten des Feinstaubs einzusteigen, über die sich streng genommen nicht einmal die Virologen bzw. Mikrobiologen einig sind, gilt die Feststellung: Zellwachstum ist abhängig vom Milieu (Umwelteinflüsse), weshalb es Mutationen geben wird und muss; das hat Demokrit bereits erkannt, ohne die Welt unter das Mikroskop legen zu können. Marx hat aus ihm geschlossen, dass die kleinsten Einheiten die größten Veränderungen vornehmen und gehofft, dass Bürger den Staat bzw. die Staatsform bestimmen. Monod hat für die Enzymforschung abgeleitet, dass nicht nur Proteine Leben erzeugen, sondern bereits die Viren universelle Bausteine des Lebens sind, ohne selbst Zellen zu besitzen, folglich die Funktion von Aminosäureketten bereits beherrschen. Bakterien sind zellkernlos, doch selbsterzeugter Teil des menschlichen Organismus mit seinem Zellkern, für den die Evolution eine gefühlte Ewigkeit gebraucht hat, Viren sind archaischer Schleim, der infektiös von außen, also dem Milieu, zugeführt wird (mal tröpfchenweise eingeatmet bzw. ausgespuckt, mal in anderer Form verabreicht): sie haben keinen Stoffwechsel und deshalb auch kein eigenständiges Leben, keine Energieerzeugung, keine Proteine, dafür bedürfen sie einen Wirt. 

Das Wissen über Viren ist wie im Grunde jede Wahrheit weder abgeschlossen noch absolut, es ist offen (wie eine offene Gesellschaft) und nicht persistierend, sondern hat eine rasend kurze Haltbarkeit. Was aber kolportiert wird ist: es gibt ein Virus X und ein Mittel Y und eine Wirkung Z; eine Gleichung mit im Grunde drei Unbekannten, so Monod. Für diese Erkenntnis erhielt er einen Nobelpreis, etwa zu der Zeit, als ich geboren wurde. Heute scheint sich das unerfreuliche Zweckbündnis aus Politik, Wissenschaft und Schweige- oder Zustimmungsspirale gegen ihn auszusprechen. Es verfährt, als lasse sich einem Virus durch Verordnungen beikommen, als wüssten wir bereits, wie er wirkt, als wäre unser Milchstraßensystem in Stein gegossen, nichts in Bewegung, nichts zufällig, alles notwendig und in der Not liegt auch der Fall (begraben). Dabei ist selbst der Blick in den Sternenhimmel trügerisch, weil zeitversetzt. Vielleicht besaßen die Plejaden mehr Geschwister und vielleicht schleppt Sisyphos gar keine Steine, sondern Kohlköpfe. Intelligenz, so Monod, könnte sich evolutionär als Nachteil erweisen.

Sisyphos bleibt immer unterwegs, dieser Nomade des Wissens, der keine Wahrheiten duldet, keine Ewigkeiten kennt und damit den Göttern trotzt oder sie leugnet. Jaques Lucien Monod lernte Camus während des gemeinsamen Kampfes in der Résistance kennen. Die Revolte endet nie. Auf den Terror der Deutschen folgte der der Russen und auf den anderer, wie ein Virus. Monot brach mit der Partei, als sich herausstellte, dass die Wissenschaft mit den Mächtigen paktierte und nicht Wissen, sondern Mythen vorantrieb. Ein gewisser stalintreuer Lyssenko (er starb wie Monod 1976) postulierte, Gene sind die Folgen der Umwelt und damit Intelligenz eine Frage der politischen Kultur. Seine falschen Thesen wurden getragen, weil die Wissenschaftler nicht wagten, den Günstling Stalins zu widersprechen, wider besseren Wissens wiederlegten sie ihn nicht. Lyssenkos Methoden führten unter staatlicher Duldung zum Niedergang der russischen Agrarkultur; seine Pseudo-Wissenschaft, die nicht überprüfen und Hypothesen nicht verifizieren wollte, führte zu Missernten, Hunger und sogar Seuchen. Sie wurden Verschwörern und Saboteuren zugeschrieben, der Bock zum Gärtner gemacht. Lyssenko ist kein russisches Phänomen, warnte Monod.  In seinem Buch „Le hasard etla nécessité“,  das zwischen Philosophie und Biologie oszilliert, schreibt er über Sisyphos: „Es ist an ihm, zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen der Wahrheit und dem Mythoszu wählen.“

Monod ist ein Vertreter der Dysgenetik, die gerne mit Eugenetik und diese mit dem Dritten Reich und Rassenhygiene verwechselt oder in einem Atemzug genannt wird. Nachdem uns der Fortschrittsmythos jahrhundertelang suggerierte (auch, weil der Mensch es sich hat einreden lassen wollen), dass nur das gute oder zumindest systemisch angepasste Erbgut überlebt, war er einer der ersten, die, ausgehend von der Dialektik des historischen Materialismus auch einen schädigenden Einfluss auf die Evolution voraussahen oder besser zur Kenntnis nahmen. Philosophisch konvergiert dies mit Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in der Platon und Hegel als Vordenker des Totalitarismus und auch Marx´ als Wegbereiter einer fehlgeleiteten Ideologie angegriffen werden, vor allem weil sie ewige Wahrheiten beanspruchen. Auch sie vertraten das Recht, Gesetze notfalls über Nacht zu ändern. Alle wähnten sie das Recht auf ihrer Seite, wie Machiavelli es ihnen bot: Systemkonformität.

Davon mag man halten, was man will, ein Fakt ist unwiderlegbar: Es überleben im Gegensatz zur Natur, der sich der Mensch nicht nur entfremdet, sondern auch weitgehend entzogen hat, auch die Schwachen, besonders im Krieg, es überleben die Kranken und vielleicht sogar Degenerierten bei der Unterlassung von eugenetischen Maßnahmen. Diese sollen nicht gerechtfertigt werden, eine Diskussion erscheint angesichts der Vorbelastung und des erfolgten politisch ideologischen Missbrauchs deplatziert, doch biologisch ist offenkundig, dass sich die Natur um Moral oder Ethik nicht kümmert. Wie es Max Frisch so treffend formuliert: „Die Natur kennt keine Katastrophen, einzig der Mensch (der sie erzeugt), sofern er sie überlebt, kennt die Katastrophe“.  Konrad Lorenz sprach von der schädigenden Wirkung auf unser Erbgut durch permanente Domestizierung und Zivilisierung, er nannte den Prozess in „Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung“ Verhaustierung. Gemeint ist: der Mensch schwächt sein Immunsystem, einerseits, indem er sich nicht abhärtet und andererseits durch Veränderung seines natürlichen Milieus.

Der Virus lenkt die Aufmerksamkeit ab vom Großen und Ganzen, von essentiellen Problemen und möglichen Ursachen. Feinstaubbelastung der Umwelt greift in die Natur ein in die natürliche Balance, z. B. durch elektromagnetische Strahlung, verändern Erbgut, also Proteinketten. Dass Krankheiten wie Krebs auch durch Umweltbelastung wie Glyphosphat, das auch nach Bekanntgabe alarmierender Werte massenweise in der Agrarindustrie Einsatz findet oder Smogbildung in den Großstädten durch ein Übermaß an Verkehr begünstigt wird, kann der gesunde Menschenverstand nicht in Frage stellen. Zunächst starben aber nur die Bienen, also schwiegen wir. Wissenschaft hat hier durch Gutachten und Fallstudien auch Glaubwürdigkeit, ethisch wie methodisch, verspielt. Alles ist beweis- und dokumentierbar, sofern eine dementsprechende Frage- und Versuchsanord-nung es so will. Skalierte Daten sind durchaus nicht so neutral und empirisch wie sie scheinen. Kein Mythos ist hartnäckiger als der von der Objektivität. Sisyphos aber steht für den permanenten Kampf der Wissenschaft, ein Ringen, nicht ein Töten  mit dem und nicht gegen das Wissen und für die Wahrheit, notfalls auch durch eine List. Er höhnt den Göttern, die verabsolutieren und Gesetze erlassen, die ihr Handeln rechtfertigt und das der anderen stigmatisiert. Der Renitent duldet den Missbrauch nicht, der sich unweigerlich und immer von neuem stellt. Er rollt den Stein des Weisen.

Zurück zu Sisyphos am Ende des Steins. Gib niemals auf, lautet seine Botschaft. In Erich Frieds Gedicht heißt es:  „Was bleibt? // Nichts als die Qual / seine Qual / überlebt zu haben.“

Erich Fried, Vorahnung des Endsiegs                                                             

Sisyphos

staubig

und satt

vom Mehl

seines Steines

hat Angst:

Der Stein

nützt sich ab

Die Sinnlosigkeit

der ewige

verfluchte

Sinn seiner Arbeit

selber

vom Fluch geschlagen

Kleiner

dem schwindenden Stein gleich

das Mitleid der Schatten

das ihm Kraft

zur Ohnmacht gegeben hat

Bald rollt nur

ein Kiesel

am geschundenen Steilhang

Was bleibt?

Nichts als die Qual

seine Qual

überlebt zu haben

Erich Fried


Die Untertänerinnen (Heinrich, der Wagen bricht)

Quo vadis, Deutschland? Fällst du auch in den Staub, beim unsäglichen Versuch den Wagen mit der imaginären Personifizierung deiner Träume einzuholen, der die Musik macht?  Stolperst du dann vielleicht über deine Stiefel, die zu treten verstehen und die Maske, hinter der du dich zu verstecken gelernt hast?

Dienerinnen des Entertainments? An Neologismen herrscht kein Mangel, Inflation ist überall. Die Angepassten haben Erfolg, das ist ein uraltes Gesetz, das die Evolution geschrieben hat und Unternehmer/innen wie Politiker/innen intravenös infiziert. Albinos und sonstige Mutanten haben es schwer, höchst selten gelingt ihnen, den markanten Individuen, die List der Geschichte zu überlisten. Das Rätsel der Kollektivität besteht in einer zu Gehorsam erzogenen Demokratie darin: gehorchen hat man gelernt, lockdown ist eben und damit fertig. Das Land war einst und ist es vielleicht bald wieder: ein einziger Kasernenhof. Wohin Leitkultur zu führen vermag.

Er, der an Entertainment gewöhnte Untertan, braucht Gewalten, denen er sich beugt, ein Stand von formvollen Freigelassenen, der sehnsüchtig im Schatten des Adels lebt, wobei die Aristokraten Radfahrer sind, selbst wenn sie Milliarden scheffeln, Ferrari fahren und von abrollbaren Klopapier leben, das derzeit in Massen gekauft wird – ein Roman hat die Moderne längst ein- und die Aktualität überholt. Hessling ist wieder der denunziatorische Friedrich in uns, der Kaiser vielleicht eine Kanzlerin, übrigens auch nicht viel mächtiger als der Führer von damals. Wir, das Volk, sind Funktionalisten, Büro- und Technokraten, die ein System der Zukunft verwalten, dabei unaufhörlich Gegenwart verdrängen und Vergangenheit verklären. Ziviler Ungehorsam ist in dabei in die untersten Regale gerutscht. Ganz oben steht Verantwortung, nur falsch geschrieben, darunter Freuden der Pflicht, die gibt es jetzt im Sonderabo und mit Rabatt. Nur nichts hinterfragen lautet die Devise.

Die Maske als Symptom vor dem Erreger ist nur ein Symbol für das Grauen der Erstarrung dahinter. Unsere Großväter und Mütter kannten das noch, Existenzangst, archaischer Kampf ums Überleben. Meine Generation ist längst weichgekocht und verzärtelt, echte Krisen finden anderswo statt, ausgelagert oder durch Meere gepuffert. Nun aber herrscht Zombieland, alle marschieren, fast alle. Schon mehrfach hat die Mehrheit geirrt, mit fatalen Folgen. Useful idiots, nützliche Idioten, heißt das heute, Radfahrertypen von früher, die Strom für sauber halten, weil man ihn nicht sieht und den Müll delokalisierend vergräbt. Gemeint ist auch der geistige Unrat, die vollkommene und demoralisierende Unfähigkeit, anders zu denken als in eine vorgegebenem, genormten Apparat, der Autoritätsgläubige wider besseres Wissen fördert und vorschreibt, um am Erfolg zu partizipieren. Querdenker reüssieren nur im Märchen, im wirklichen Leben sind sie Verschwörer. Das Opfer heißt Wahrheit, wie immer. Alles was stört verwirrt nur, gehört weggsperrt.

Ob wir alle von den großen Konzernen oder den Zahlenkolonnen belogen werden? Ob der mit Stille goutierte lockdown eine vorgezogene Bankrotterklärung ist für die globale Schuldenspirale und Corvid nur ein trojanisches Pferd, möglicherweise sogar ein willkommener Gast als Anlass für die geplante Revolution? Coronoagegner, schon die Sprache implementiert Perversion, werden als verantwortungslos, ignorant, konspirativ oder faschistoid eingestuft. Gewiss gibt es Leugner der Gefahr oder Verschwörer mit abenteuerlichen, terrestrischen oder exorbitanten Theorien, noch mehr unbeweisbare Faktensammler und apostolische Esoteriker, Propheten des Untergangs, die sich truther (Wahrheitserkennende) nennen. Niemand wird ernsthaft annehmen, dass – wie früher – linke und rechte Extremisten mit dem gesunden Menschenverstand konvergieren oder zu argumentativ überzeugenden Debatten beitragen. In der virtuellen Medienlandschaft ist investigativer Journalismus keinesfalls einfacher, aber seltener geworden geworden, eine museale Rarität. Ob Bilder, Zeiten und Orte noch zueinander passen, ob sie nicht wie im Irakkrieg vom CiA geschehen, bearbeitet und damit fiktionalisiert wurden, ob Medienagenturen und Nachrichtensender wirklich über Wirklichkeit, frei und unvoreingenommen und unzensiert sprechen, erscheint fragwürdiger denn je. Kein Kanal ist heute noch frei von Lobbyismus und mitunter spricht auch das Lager des politischen Gegners nur ungeliebte Wahrheiten aus, die das eigene Gehirn mit seinen selektiven Mechanismen nicht hören will.

Nein, einfach war es nie, sich für den richtigen Weg zu entscheiden, weil die Mitte oder die Mehrheit und nicht einmal die sogenannte Fachkompetenz-Elite für ein stimmiges Ergebnis sorgen, sondern zur Lagerbildung beitragen. Es ist verführerisch einfach, sich einer der beiden Positionen reflexions- und bedingungslos zuzurechnen, nur um nicht als unengagiert zu gelten und von Solidarität zu reden, statt sie zu praktizieren. Es ist ungleich schwerer, sich durch den Dschungel an Möglichkeiten zu kämpfen und lieb gewonnene Erkenntnisse, auch in Bezug auf die Guten und die Schlechten dieser Welt, über Bord zu werfen. Ein Zitat, das derzeit in Blüte steht, stammt von George Orwell und lautet übersetzt so: „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“  Allerdings hat keine Partei diese für sich gepachtet und es befremdet mich,  auf einer Demonstration, die friedlich, sogar nach Hygienekonzept hinterfragt, ob die derzeit ergriffenen Maßnahmen geeignet und angemessen sind, als Faschist oder Wahrheitsleugner und Manipulator diffamiert, ja denunziert zu werden. Wer gründlich sein will, macht sich verdächtig, wer Verdacht äußert, die Krise könnte ihre Gründe außerhalb des Virus selbst haben, wird zum Verräter am Volkswohl.

Kant fordert, sich des eigenen Verstands zu bedienen. Mitunter haben die Denker von Gewerbe sich einen Maulkorb verpasst, denn sie sind selten Helden oder sie folgen Institutionen, die keineswegs so neutral oder edelmütig sind, wie sie sich geben. Ich schreibe, weil ich denken will um zu einer Klarheit zu kommen, in diesem Nebel, der meine Nerven lähmt. Die letzten Tage habe ich mir Wissenschaftler bzw. Studien angeschaut und angehört selbige, die alle Erkenntnisse dementieren. Für fast jedes Beispiel lässt sich ein Gegenbeispiel finden. Eines davon lautet. ja, der derzeitige Leiter der WHO Tedros hat während seiner Zeit als Gesundheitsminister Äthiopiens Journalisten davon abgehalten, über Cholera-Ausbrüche zu berichten, angeblich, um einer Massenhysterie entgegenzuwirken. Und ja, es stimmt, bei der Wahl zum WHO-Generaldirektor wurde er entscheidend von der chinesischen Regierung unterstützt.  Es ist evident, er hat wie viele andere auch anfänglich über die Mensch-zu-Mensch-Übertragung von COVID-19 geschwiegen, als es noch möglich gewesen wäre, Flugverbote auszusprechen, um einer globalen Ausbreitung (vorerst) vorzubeugen. Ob er oder die gesamte Organisation deshalb von China unterminiert und korrupt sind und wider besseren Wissens von einer Pandemie sprechen und dementsprechend rigoros handeln, was einige inzwischen auch der Bundesregierung vorwerfen, ist eine ganz andere Sache, denn die Kolporteure dieser Nachrichten stammen aus einem Lager, das Kontakte mit dubiosen und auch radikalen politischen Kreisen unterhält, mitunter sogar aus ihnen finanziert wird. Wie ist das mit der Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit der Mittel?

Laut Kant rechtfertigt ein guter Zweck nicht den Einsatz schlechter Mittel. Er schreibt (Metaphysik der Sitten) „die unbedenklichste Sache von der Welt ist, weil das Oberhaupt nicht Staatsgenosse, sondern Staatseigentümer ist, an seinen Tafeln, Jagden, Lustschlössern, Hoffesten und dergleichen durch den Krieg nicht das mindeste einbüßt, diesen also wie eine Art von Lustpartie aus unbedeutenden Ursachen beschließen, und der Anständigkeit wegen dem dazu allezeit fertigen diplomatischen Korps die Rechtfertigung desselben gleichgültig überlassen kann.“ Endlich kann, weder der Staatsherrscher noch der Regierer, richten, sondern nur Richter, als Magisträte, einsetzen. Das Parlament einfach so übergehen, das kennen wir Deutsche von den Notstandsverordnungen durch § 48; es hat Schule gemacht, weltweit. „Das Volk richtet sich selbst durch diejenigen ihrer Mitbürger, welche durch freie Wahl, als Repräsentanten desselben, und zwar für jeden Akt besonders, dazu ernannt werden.“ Kant hätte, darauf lege ich meinen Eid ab, heutige Politik für undemokratisch, wirtschafts- und volksschädigend befunden. In Manns Roman liest sich das so: „Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Die über Hunger, Trotz und Hohn hingeht! Gegen die wir nichts können, weil wir alle sie lieben! Die wir im Blut haben, weil wir die Unterwerfung darin haben!“

Medien haben Macht, doch heute stehen hinter Medien multimediale Konzerne: Amazon, Windows, Apple, Google, um die vier allergrößten zu nennen. Einen Kanal wie  NuoViso  oder you tube Videos zu zensieren wie die des maßvoll auftretenden Mikrobiologen Sucharit Bhakdi, obschon er keineswegs zur Volkshetze aufruft, wohl aber die Sinnlosigkeit von Impfungen für 99% der Bevölkerung klar benennt, ist eindeutig unvertretbar mit dem Recht auf Meinungsfreiheit und Pflicht zur Aufklärung. Gesundheitsexperten sind sich durchaus nicht einig in der Bewertung der Situation und der Fehlerkette, die zu der ungleichen Ausbreitung von Corona beigetragen hat. Mögliche falsche und gewiss unerprobte Medikamente, Überdosierung, falsche Diagnosen der Symptome bzw. Ignoranz von Vorkrankheiten können nicht nur, sie haben faktisch Corona-Statistiken verfälscht. Selbst Testergebnisse werden von Wissenschaftlern als unseriös oder ohne verifizierende Aussagekraft angezweifelt, nicht nur von Einzelnen, aber auch nicht von allen.

Dass es Unterschiede gibt, nicht nur in den Symptomen und Behandlungsmethoden ist offenkundig, ebenso wie die Anfälligkeit diverser Immunsysteme, meist altersbezogen, aber nicht nur. Zumindest kennt ein Virus keine Landesgrenzen, daher wäre es ratsam, sich mit den Gründen für die ausschlagenden Amplituden in den verschiedenen Nationen zu beschäftigen. Die Statistik, der ich persönlich als Parameter nicht vertraue, weil sie alles und nichts zu rechtfertigen vermag, besagt, die Zahl der Gesamttoten ist in Deutschland keineswegs seit Ausbruch der Pandemie angestiegen, die Moralisierungsrate sogar leicht gesunken; was allein zugenommen hat, ist die Selbstmordrate. Kausalmonologisch auf Corona zu schlussfolgern, verbietet mir meine, Kant würde sagen, Vernunft, während der Verstand es gerne glauben möchte, weil  die Erklärung so naheliegend und plausibel klingt. Spätfolgen der Erkrankung bzw. Behandlung wie eine Depression können weder ausgeschlossen noch genau eingegrenzt werden. Jede psychische oder psychosomatische Erkrankung gleicht wie die Bekämpfung des Virus durch Medikamente einem Cocktail aus diversen Faktoren und manchmal sogar Fakten.

Gewöhnlich verlässt sich der Mensch auf seine Instinkte, die ihm jedoch in der Zivilisation abtrainiert wurden. So bleibt auch der Menschenverstand ein evolutionärer Quantensprung. Sachliche Argumente gegen Angst funktionieren so wenig wie gegen Gier. Ein paar Dinge fallen auf: Wer generell gegen Einsatz von genmanipulierter Nahrung ist, sollte es auch gegen Impfstoffe sein; gleiches gilt für den in Aussicht gestellten Impfzwang, der ohnehin Risiken birgt und auch Menschen ohne Symptom inkludiert.  Ethisch gesehen liegt dies der labortechnisch planbaren gesunden Geburt nahe, die jede Krankheit eines Neugeborenen als selbst verschuldeten Makel stigmatisiert.

Wer Milliarden an Entwicklungsgeldern in den ökonomischen Kreislauf pumpt oder Banknoten für die Stabilität drucken lässt, sollte dafür Sorge tragen, dass Instabilität und Inflation nicht wachsen. Ein Fakt kann niemand übersehen: der Virus ist ein Brandbeschleuniger für viele Ungleichgewichte, die er nicht hervorgerufen hat, Armut und ungleiche Ressourcenverteilung ist nur eine davon, Bildungs- und Kulturaffinität eine andere. Es ist ein Mythos, Weltwirtschaftshilfe helfe den Armen und Schwachen, denn trotz Entwicklungshilfe seit Dekaden geht es den Adressaten schlechter. Es ist noch mehr Ideologie, bei Regierungen grundsätzliches Interesse am Volkswohl vorauszusetzen. Neutrale Handlungen können bei dem Einfluss der Lobbyisten, der Kraft des Geldes und natürlicher Egoismen nicht stattfinden. So bleibt zu konstatieren: Die Kluft zwischen arm und reich, gebildet und von Bildungswegen abgeschnitten, hat sowohl in unserer Wohlstandsgesellschaft als global auch zwischen den Geber- und Nehmerländern zugenommen, die Mitte schrumpft wie das Maß und der Wille, Balance zu halten. Apathie und Lethargie beherrschen den Westen, einige Diktatoren und Konzerne schöpfen den Rahm ab, sei es über die Produkte und Dienstleistungen, die sie anbieten, sei es über die Rücknahme unerwünschter Opposition oder Gesetze, die ihre Geschäfte erschweren. Die Weltbank und ihre economic hitmen, so genannte Wirtschaftskiller, die hat es immer gegeben. Ob der Tod von Machthabern, die nichts ins System integrierbar sind, von Geheimorganisationen in Auftrag gegeben wird, ich weiß es nicht. Ob Korruption alle Regierungen und Lobbyismen alle Parlamente durchsetzt haben und Politiker zu Komparsen ökonomischer Interessen degradieren, ich weiß es nicht. Manches erscheint plausibel, doch selbst das Unvorstellbare, das  früher den Romanen zugeschreiben lies, ist längst eingetreten, archiviert und dokumentiert, man denke an aktuelle gewählte Präsidenten und die fühlbare Abschaffung der Kultur, zumindest der Kleinstbetriebe. So stellte die Aktion Aufstehen für Kultur die legitime Frage, wieso man eine Oper nicht mit hundert Menschen, aber einen Supermarkt auf den letzten Stellplatz füllen kann, wieso man Masken in freier Luft tragen soll und bei einer Demonstration den Ehepartner auf Abstand halten muss. Selbst wenn es Sinn, den ich nicht verstehe, macht, in so einer Welt will ich nicht mehr leben, sie ist lebensunwert.

Die Monokultur, Geo-Engeineering, die tech giants, Robot- und Cyberfirmen, Bio- und Nano-Technologie, kurz, alles was mikro- und braintechmäßig die Welt von Gestern neu gestaltet und das Morgen vergraut, die Eugenetik, das Gene Editing, die Kybernetik, die großen Multikonzerne mit ihren modernen Arbeitssklaven, sie alle wachsen mit, in und leider auch durch die so genannten Pandemie. Die Virtualisierung und Digitalisierung schreitet unbarmherzig fort, eine Welt ohne Partikularinteressen erscheint mir naiv konstruiert. Gott muss es geben, sonst würden nicht so viele in Krisenzeiten ihn anbeten, die Masse kann nicht irren, schon gar nicht, nachdem all die anderen Götzen versagt haben. Es macht erstaunen, wie denkende Menschen gleich Lämmern sich zur Schlachtbank führen lassen: nicht nur im Krieg wie einst, den die Waffen- und Rüstungsindustrie gar nicht so schrecklich findet (Waffen dienen nur der Abschreckung, damit sie nicht eingesetzt werden), es muss auch andere Profiteure geben, von den Pharmakonzernen bis zu den Finanzoligarchen, die bereits begonnen haben, Wasserrechte in der Wüste zu kaufen oder mit ihren Ölbohrungen die lokale Landwirtschaftsbetriebe lahmzulegen. Ein kluger Mann (Karl Wittvogl)  hat diese Form der Ressourcenausbeutung durch Konzentrierung auf nur einen Anbieter hydraulische Gesellschaften genannt; ein anderer gesprochen vom Opium des Volkes, das die Industrie (auch die des Glaubens) für sich zu nutzen weiß, um Hysterie und Schuldkomplexe zu betäuben.

Die Masken sollten daher vor das Gehirn gelegt werden, sie wären dort effizienter als vor Nase und Mund platziert. Dass der Virus als Vorwand benutzt und dramatisiert wird, steht für mich außer Frage. Wer das will und weshalb so viele mitmachen ist mir noch nicht so klar, wie es endet auch nicht, außer, dass die Wirtschaft mehr geschädigt sein wird als durch diverse Börsen-Crashes, dass einige Länder wie China (wo alles begann) die Gewinner sein werden und wir nie wieder zurück zur Normalität gelangen, schon gar nicht so schnell wie der Impfstoff, der kommen soll und muss, weil es das Gesetz des Marktes verlangt. Jeder kann noch für sich entscheiden, ob er den gläsernen Mensch, die Ausweitung der Digitalisierung, die Kontrolle für sich akzeptiert, kurz, ob er in einer solchen Welt, wie der jetzigen, leben, gewissermaßen nur überleben will. Ob man uns die Wahl lässt, erscheint zweifelhaft, denn die Konsequenzen sind bereits da. Ob es ein Zurück zur Normalität jemals geben wird, erscheint mir nach den Ereignissen dieses Jahres mehr als fragwürdig. Wenn es stimmt, dass Kinder zu Berufsdenunzianten erzogen werden, wie sie Mitschüler, die im Bus die Maske abnehmen, melden sollen oder andere ein sichtbares Zeichen für ihre mangelnde Kooperation bei der Durchführung des Hygienekonzepts erhalten, wenn es stimmt, dass Stigmatisierung immer neue Gründe und Rechtfertigungen, sogar autorisierte Legalisierung erfährt, dann steht meine Entscheidung fest, dass wir wieder dort sind, wo wir angeblich nie wieder hinwollten. Dystopien haben den faden Nachgeschmack des verpassten Widerstands.

Ich weiß nicht, ob es das global reset gibt oder den systematischen Abbau der Demokratie (sofern sie je eingeführt oder gar verinnerlicht wurde), aber es hat den Anschein, dass elementare Überlebensinstinkte auf Panikmache reagieren, die Einschüchterung funktioniert, die Straßen leerer, die Geschäfte ruinierter, die Kulturschaffenden privatisiert werden, die Privilegierten sitzen das aus, andere, allen voran die angeblich Unterversorgten, werden in Lager gepfercht oder zumindest marginalisiert, sie werden sterben, früher als wir in unserer Komfortzone und Luftblase. Man muss nicht sonderlich intelligent sein, um zu erkennen, dass wir vor allem in einer Wahndemie leben, die Zivilcourage versagt, einmal etwas zu wagen und aufzustehen für seine Überzeugung.

Reflexion erscheint unerwünscht, selbst bei besonnenen Politikern und Wissenschaftlern, das fällt auf. Den Wald als funktionierendes System (seit es unseren Planeten gibt), der auf Solidarität der Mikroorganismen aufgebaut ist, einen gesunden Wettbewerb (Konkurrenzprinzip) zulässt, aber jede Form ungesunden Wachstums im Keim erstickt (pardon, begrenzt), will sich der Mensch partout nicht zum Vorbild nehmen. Er will herrschen oder beherrscht werden.

Fazit: Die Zeit verwirrt mich. Kluge Leute widersprechen sich, nur die weniger Klugen sind sich rasch einig, eine Diskussion auf sachlicher Ebene findet kaum statt, Panik, Hysterie und Egoismus nehmen überhand, Verdrängung und selektive Wahrnehmung explodieren. Die kritischen Meinungen entpuppen sich manchmal weder als unabhängig noch als seriös, was es nicht leichter macht. Die Norm war immer ein (mediales) Konstrukt und je nach Ideologie auch gefährlich unilateral bis totalitär. Vom Computer und später vom Internet versprach man sich mehr Demokratie, Transparenz, Lösungen, doch es entstanden neue Probleme, eine davon ist die Umverteilung und leider auch Unterversorgung von Bildung. Nicht nur Wirtschaft und Kultur im Sinn von Information und Unterhaltung (Infotainement) schwinden, Kabarett ist entweder eingekauft oder von der Realität überfordert, auch die kritische Schuldbildung, das soziale Lernen, kurz das wirkliche Leben in Gefahr.  Was Fakten sind wird vorgekaut oder vorgebetet, war immer so, ich weiß, aber jetzt auch mit dem Denkmäntelchen der Aufklärung versehen.

Quo vadis, Friedrich Heßling? Nie warst du mir näher als heute. Eine klare Antwort gibt es nicht. Niemand hat sie, ebenso wenig wie ein Serum, das alle Probleme löst oder eine Ampulle, die uns ruhiger schlafen liese. Das goldene Kalb, der Erfolg, um den tanzt Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen. Wie heißt es doch im Roman über den Widerling, den aAn die Macht angepassten Ehe-Untertan? „Er behandelte Magda mit Achtung, denn sie hatte Erfolg.“ Nüchterner Tatsachensinn ist weder schön noch lukrativ. Heinrich Mann liest sich viel zeitgemäßer als sein erfolgreicherer und erfolgsverwöhnter Bruder, womit ich diesen nicht in seiner künstlerischen Leistung schmälern will; in der Literatur gibt es keine Preise (ich weiß, sie werden verliehen, aber ein Wettkampf mit besser, schlechter existiert faktisch nicht). Heinrich schreibt: „Wenn die Katastrophe, der sie auszuweichen denken, vorüber sein wird, sei gewiss, die Menschheit wird das, worauf die erste Revolution folgte, nicht scham- und vernunftloser nennen, als die Zustände, die die unseren waren.“

Das Schlusswort soll Tucholsky haben. „So wollen wir kämpfen. Nicht gegen die Herrscher, die es immer geben wird, nicht gegen Menschen, die Verordnungen für andre machen, Lasten den andern aufbürden und Arbeit den andern. Wir wollen ihnen die entziehen, auf deren Rücken sie tanzten, die, die stumpfsinnig und immer zufrieden das Unheil dieses Landes verschuldet haben, die, die wir den Staub der Heimat von den beblümten Pantoffeln gerne schütteln sähen: die Untertanen!“